Lieber Leser, die Texte sind eine Sammlung von Reisetagebuch, Briefen und anderen Aufzeichnungen. Die Abfolge ist in der Regel chronologisch und wird noch immer von Zeit zu Zeit überarbeitet. Die Erinnerung an die Reise ist noch sehr lebendig und vieles an Erlebtem ist noch nicht niedergeschrieben worden.

Die folgenden Links gliedern die Reise nach Monaten mit Bildern oder Themen auf, der gesamte Text ohne Bilder ist auf dieser Seite zu lesen.

03-1990    04-1990    05-1990    06-1990    07-1990    08-1990    09-1990    10-1990    11-1990

Einführung    Technik    Entfernungen    Nachsatz    Sinos Spanien Reisetagebuch

 

R A D R E I S E

1 9 9 0

S P A N I E N

F R A N K R E I C H

7. März Mittwoch
Oldenburg Hauptbahnhof 9.39 Uhr. Genf 21.00 Uhr. Wir werden ganz lieb in Oldenburg ver­abschiedet. Ich finde immer je schneller Abschiede, desto schmerzloser. Bis auf das turbulente Wochenende waren die letzten beiden Tage im Seggenweg richtig ruhig. Leider fanden sich noch immer Dinge ein, die verstaut werden wollten. Wenig Zeit und Sino ist auch nicht richtig zufrieden. Ab Oldenburg Hbf. fahren wir über Hannover bis Basel SSB. Dort steigen wir in den Liegewa­gen nach Port Bou um. Ab Karlsruhe wird das diesige unfreundliche Wetter sonnig. SSB Basel hat Schweizer Atmosphäre. Ich war vorher noch nie in der Schweiz. Ab Basel wird der Euro City zum Bummelzug. Bahnhofs­ansagen wechseln von deutsch-französisch nach französisch - deutsch, je nachdem, welche Gegend durchfahren wird. Bettwäsche gibt es erst um 21.30 Uhr ab Genf.

8. März Donnerstag
Port Bou 5.30 Uhr. Barcelona Sants 9.30 Uhr. Mittags in Esplucas auf dem Camping­platz. Kurz vor Port Bou fangen wir in al­ler Ruhe an, unsere Gepäckstücke zu verstauen. Bis zum Anschlusszug nach Barce­lona haben wir noch eineinhalb Stunden Zeit. Sino schläft noch, er hatte eine un­ruhige Nacht, wachte öfter auf und wollte dann an Elkes Brust. Bevor der Zug in Port Bou hält, haben wir uns bereits frisch ge­macht, dennoch werden wir von einem Mann in Zivil unwirsch zur Eile angetrieben. Wir nehmen unser Gepäck und Sino, und sehen auf dem Bahnsteig, dass wir die letzten Passa­giere des Zuges sind. Die anderen Reisenden stehen bereits vor dem spanischen Zoll Schlange. Die Zöllner, die Reisenden, sie sind im Moment die einzigen Menschen, die den Bahnhof etwas mit Leben erfüllen. An­sonsten wirkt die Station leblos, sie hat ganz und gar nicht die Atmosphäre eines an­regenden Länderwechsels. Die Zöllner sind unsere ersten Kontakte zu Spanien am Beginn unserer Reise. Unfreundlich wirken sie, kein Herzlich willkommen, kein freundliches Durchwinken. Meinen Pass habe ich in der Hand. auf dem Arm Sino und meine Lenkerta­sche über der Schulter. Der Zöllner will auch Sinos Ausweis sehen. Kein Problem denke ich, und beginne einhändig nach dem Ausweis zu suchen. Kurz bevor ich ihn in der Hand halte, verliert der Zöllner die Geduld und winkt mich durch. Ein Japaner muss sich genauer ausweisen. Dann hat auch Elke den Zoll passiert. Wir sind in Spa­nien, Ziel unsere Reise. Gedankenspiel der letzten - Monate und Hoffnung auf eine schöne Zeit. Es ist vielleicht 6.00 Uhr. Wir befinden uns in der Bahnhofshalle. Rechts an der Innenwand des Raumes steht der Tresen des Restaurants. Wir suchen uns Croissants und Café con leche zum Frühstück aus. Die Preise enttäuschen uns. Ein klei­nes Croissant kostet 100 Peseta und der Kaffe kostet 150 Peseta. An den Tischen sitzen verschiedene Gruppen von Reisenden. Touristen, Nordafrikaner, einige Spanier. Bevor unser Zug fährt, können wir einigen anderen Abfahrten zu sehen. Das System der Bahnsteige irritiert uns. Die uns aus Deutschland bekannten Anzeigetafeln fehlen. An den Zügen, silberfarbenen, niedrigen Talgos, die ein wenig an den Flugzeugbau der fünfziger Jahre erinnern, stehen Hin­weisschilder, die nach Beratungen mit den Reisenden Hinweise auf die Zielbahnhöfe der Züge zulassen. Bahnpersonal sehen wir so gut wie gar nicht. Die Morgensonne gewinnt langsam die Oberhand über die Dämmerung. Als der Talgo aus Port Bou rollt, können wir für kurze Momente die Sonne über dem Mittelmeer stehen sehen. Kaum besetzt ist das Abteil in dem unserer Sitze reserviert sind. Die Fenster lassen sich nicht öffnen. Über den niedrigen Durchgangstüren sind Fernseher montiert. Alles zusammen erinnert eher an fliegen denn an Bahn fahren. Der Zug nimmt Pendler an Stationen auf, deren Ortsnamen wir nicht  rechtzeitig sehen kön­nen. Wir sind die einzigen Ausländer im Ab­teil. Schräg neben uns sitzt eine ältere Dame, die Sino von ihren Keksen abgibt. Sino geht es trotz des zweiten Tages Bahn fahren noch relativ gut. Wir gehen zwei- dreimal durch die benachbarten Waggons. Der Barwagen hat auf, wir brauchen jedoch nichts, so könne sich die beiden Barmänner in Ruhe weiter miteinander unterhalten. Un­sere Fahrkarten werden von einem Kontrol­leur wohlwollend begutachtet. Der Mann hatte eine Zeitlang bei der Bundesbahn in Hannover ein Praktikum absolviert und fragt sehr interessiert nach den Veränderungen in Deutschland nach dem Mauerfall. Sein Deutsch ist gut verständlich. Unser Spa­nisch reicht nicht aus um den Unterhaltun­gen unserer Mitreisenden folgen zu können. Die ältere Dame spricht angeregt mit einem jüngeren Mann, der zu gestiegen ist. Vor uns sitzen zwei Männer, die wie Geschäfts­leute aussehen und ihre Unterlagen durchse­hen. Zwischendurch steigen immer wieder Schüler zu. Die ältere Dame redet ein wenig mit uns. Sino ist der Kontaktträger. Ihm schmecken die Kekse. Wenn er auf dem Gang geht, muss Sino immer wieder aufpassen nicht von den Zugbegegnungen umgestoßen zu wer­den. Barcelona kündigt sich durch endlose Vororte an. Viele Industrieflächen sind zu sehen. Der Zug fährt langsamer. Schön ist die Stadt vom Norden kommend nicht anzuse­hen. Die letzten Kilometer fährt die Bahn unter der Erde durch Barcelona. Man hat uns erzählt, dass wir an der Endstation ausstei­gen müssen. Estation Sants. Der Talgo fährt weiter nach Madrid.

Nachdem uns die Eisenbahn unproblematisch über Genf, mit umsteigen in den Liegewagen und Port Bou, umsteigen in die spanische RENFE bis nach Barcelona, Estacion Sants im Süden der Stadt gebracht hat, können wir unser Gepäck abholen. Das Gepäck und die Räder sind komplett und unbeschädigt. Die Luft in Barcelona ist angenehm warm. Anstrengend ist es dennoch die wenigen Kilometer bis zum nächsten Campingplatz am Stadtrand von Barcelona zu fahren. Eine Anlage mit wenigen Besuchern, im Sommer hätten wir baden können. Jetzt jedoch ist Vorsaison, die Preise reduziert und das Bassin ohne Wasser. Es ist schon eine Umstellung in der ersten Zeit. Nachdem wir den Großstadtverkehr ohne allzu großen Stress bewältigt haben, die Autofahrer sind durchweg vorsichtig mit uns, erleben wir unsere Anlaufschwierigkeiten mit dem spanischen Geschäftsleben. Wann machen spanische Geschäfte Mittagspause und wie lange? Ist jeden Tag Markt? Und so weiter und so weiter. Wir bemerken bald die goldene Regel, alle Geschäfte machen in den normalen Ortschaften Mittagspause, von ungefähr zwei Uhr nachmittags bis fünf Uhr nachmittags. Schlecht für uns wo wir keine Vorräte mehr haben.  Also versuchen wir die Zeit in einer Kneipe, auf Spanisch Bar zu überbrücken. Bars hatten wir in angenehmer Erinnerung von den letzten Fahrten. Mit Sino ist es allerdings etwas anders. Sino ist es gewohnt unterwegs zu sein, aber stundenlanges in einer Bar hocken ist nichts für Kinder, für Erwachsene eigentlich auch nicht. Wir gehen in den nächsten Park, von denen es relativ viele in den spanischen Ortschaften gibt. Nachdem wir viele Meter gelaufen waren, kamen wir noch zu unserem Einkauf. Müde und ein wenig fußkrank können wir uns auf die erste Nacht in Spanien freuen. Die richtige Entspannung kam allerdings nicht auf, weil Sino eine Papierwindel-Allergie hatte. Sein Penis ist geschwollen und wir befürchten schon nach einem Krankenhaus suchen zu müssen. Wir verschenken die restlichen Papierwindeln und beschliessen den nächsten Tag abzuwarten bevor wir einen Arzt aufsuchen. Das Warten lohnt sich, die Allergie verschwindet von allein, wir werden in Zukunft nur noch Sinos Stoffwindeln benutzen. Viel Wäsche kommt so zusammen. Ein Problem das wir später noch genauer zu würdigen wissen.

9. März Freitag
Von Esplugas über C-245 / C-246 nach Sit­ges. Verkehrs­reiche, kurvige Küstenstraße mit Wochenendverkehr. Abends im Dunkeln zum Camping Garraf. Ca. 38 bis 40 Kilometer ge­fahren. Von Esplugas zur Küstenstraße C-246 fahren wir durch dichten Verkehr mit wilden Abzweigungen, die normalerweise nur von Kraftfahrzeugen benutzt werden. Die Land­schaft ist zunächst flach, wenig bewachsen und vorwiegend von Industrieansiedlungen geprägt. An einer Großtankstelle halten wir und machen unsere Mittagspause in einem Restaurant. Das Restaurant ist sehr voll. Unsere Mahlzeit besteht aus patatas fritas und einem gemischten Salat, sehr zur Verwunderung der Camareros. Üblicherweise isst man Mittags ein menue del dia für ungefähr 600 Pesetas, also im Schnitt für zehn DM. Am frühen Nachmittag ist es schon ziemlich heiß und Sino will nach dem Essen nicht sofort in den Bugger zum Weiterfahren. Eine Tankstelle ist eine denkbar schlechte Stelle zum Spielen. Sino tapst mit seinen Wollsocken auch sofort durch die Ölflecken. In Castelldelfells fahren wir an die Küste. Feriensiedlungen säumen die Straße. Pinien und Sanddünen lassen die Landschaft freundlicher erscheinen. Hinter Castelldelfells beginnt die kurvige und teilweise stark ansteigende Strecke. Neben den anstrengenden Steigungen machen uns die vielen Autos zu schaffen. Es ist Freitag nachmittag und die Spanier fahren ins Wochenende. Die Strecke führt uns vorbei an einem großen Zementwerk. Die ganze Landschaft ist an diesem Platz eingestaubt. Es gibt kaum Plätze an der Strecke um an der Straße eine Pause einzulegen, so schmal ist die Straße in die Felsen gebaut. In der Dämmerung sehen wir Sitges. Die ersten Lichter brennen und wir freuen uns auf den Campingplatz. Am Ortseingang fragen wir einen Mann vor seinem Haus. Es ist nicht möglich dicht an das Haus zugehen, da es von einem großen Schäferhund bewacht wird. Weil der Mann an Krücken geht, dauert es sehr lange bis wir wissen, dass es in Sitges einen Campingplatz gibt. Wir dürfen uns nicht zuviel Zeit lassen, einmal darf Sino in seinem Hänger nicht unruhig werden, und außerdem wird es bald dunkel. In Sitges fragen wir nochmals nach dem Campingplatz, finden tatsächlich einen Platz der aber geschlossen ist. Weiter geht’s, mittlerweile ist es dunkel und wir sind schon fast am Ortsende. Auch der nächste Platz erweist sich als Feriensiedlung für Engländer in der Vorsaison ohne Möglichkeit zu campen. Wir rechnen schon fast damit in der Wildnis unser Zelt aufzubauen, da sehen wir ein paar Lichter die sich als geöffneter Zeltplatz entpuppen. Es sind relativ viele Menschen unterwegs, wahrscheinlich die ganzen Barcelonesen die uns auf der C-246 überholt hatten. Der Platz ist nicht teuer wie in Barcelona und es gibt sogar einen Supermarkt der geöffnet hat. Im schwachen Licht einer weit entfernten Lampe bauen wir unser Zelt auf und erholen uns erst einmal von dem größten Stress. Was war anstrengender gewesen, die vierzig Kilometer mit dem Fahrrad fahren, oder die letzten Minuten auf der Sucher nach dem Campingplatz?  Wir merken, dass auf unserem Teil des Platzes die Ausländer und Durchreisenden untergebracht sind, während die andere Seite des Weges das Domizil der Stammcamper ist. Eine völlig andere Atmosphäre herrscht dort vor. Wohnwagen an Wohnwagen ist dort gedrängt, dazwischen die kleinen Kochzelte in denen die Frauen das Essen kochen und braten, während die Männer beisammen sitzen und Fernsehen gucken und trinken. Ein kleines Mädchen von den Stammcampern spielt kurz mit Sino und seinen Spielsachen, vermutlich ist es das Mädchen, das einige wichtige Schrauben von Sinos Holzauto verliert.

10. März Samstag
Vormittags Wäsche waschen. Nachmittags zwei Kilometer nach Sitges gefahren. Eine schöne Stadt mit roman­tischer Badebucht. Am Strand weht ein frischer Wind. Es ist nicht warm genug um zu baden oder nackt in der Sonne zu liegen. Trotzdem ist es am Wasser schön. Auf einer Decke liegend lässt es sich durchaus eine Weile aushalten. Sitges ist eine Kleinstadt mit weltoffenem Ambiente. Verschiedene kulturelle Großveranstaltungen finden im Verlauf des Jahres in dem alten Küstenbadeort statt. Die Uferpromenade zieht sich von Süd nach Nord am Mittelmeer entlang.

11. März Sonntag
Sitges. Nachmittags südlicher Strand mit alten Hotels an der Promenade. Musikfilmaufnahmen oder ähnliches beobachtet. Es ist gegen Mittag, wir sitzen auf dem Campingplatz Garraf zwei Kilometer südlich von Sitges. Sino schläft, Elke kocht. Wir sind dabei uns an unser Zelt und Radleben zu gewöhnen, oder auch nicht.

12. März Montag
Auf der C-246 bis ca. fünf Kilometer hinter El Vendrell Richtung Valls auf Olivenhain gezeltet.

13. März Dienstag
Um 7 Uhr aufgestanden und ca. 10 Uhr losgefahren. Gleich Wasser gekauft. Ca. 11.15 Uhr auf 345 Meter über dem Meeresspiegel auf Coll de Santa Christina. Um ca. 18 Uhr in Alcover. Elke’s erste und zweite Reifenpanne hinten. Beim überfahren eines Kanalrostes war Elke in den parallel zur Straße verlaufenden Zwischenräumen zwischen den Eisen abgerutscht. Zum Glück ist das Hinterrad nicht verbogen. Bei dem schwer beladenem Rad hätte mich das nicht gewundert. Der Schlauch ist allerdings gerissen und nicht mehr zu reparieren. Wir ziehen vor der Kirche einen Ersatzschlauch auf. Das ganze Fahrrad muss entpackt werden. Einige Kinder aus dem Ort sehen zu und haben ihren Spaß mit unserer Arbeit. Für Sino ist kein Platz zum laufen, wir stehen direkt neben der Straße, mit ihrem Wenigen aber unübersichtlichen Betrieb. An einem kleinen Brunnen neben der Kirche kann ich mir die Hände waschen, das Fahrrad ist sehr dreckig. Vor der Abreise wollte Elke ihr Fahrrad noch putzen, ich sagte zu ihr, warte ab bis Du in Spanien an einem Hang mit Blick in die Abendsonne sitzt und gemütlich das Fahrrad putzen kannst. Nun hatte ich den Dreck an den Händen. Wir wollten Alcover in Richtung Berge auf einer kleinen Bergstrecke verlassen. Durch die Panne war wir schon etwas in Verzug gekommen. Die Dämmerung setzte bereits ein als Elke’s Hinterrad direkt neben dem Ortsausgangsschild von Alcover ein zweites Mal platt war. Und wieder hieß es, Fahrradtaschen abhängen, auf Sino aufpassen, damit er nicht wegläuft und den Bugger durchwühlen, weil ich den neuen Schwalbe Mantel montieren wollte. Elke hatte an ihrem Rad noch die Originalbereifung aufgezogen. Jetzt war’s endgültig zu spät um in die Berge zu fahren. In der Nähe sahen wir ein Haus von mehreren Schäferhunden bewacht. Die spanischen Kinder die uns zu schauten sagten, dass Engländer in dem Haus leben würden. Wir sahen tatsächlich zwei Mädchen die mehr englisch denn spanisch aussahen. Sollten wir fragen ob wir auf dem Grundstück übernachten dürfen, sollten wir noch in die Berge fahren ob schon es Dunkel wurde? Wir entschieden uns fürs Weiterfahren. Vielleicht sahen die Hunde zu abschreckend aus, vielleicht waren wir nicht mutig genug zu fragen. Wenige hundert Meter hinter Alcover sahen wir einen wilden Weg der uns die Chance auf einen Platz für unser Zelt versprach. Der unbefestigte Weg führte zu einer alten wilden Lehm oder Tonkuhle. Neben dem Weg sahen wir auf einer wohl zwei Meter hoch gelegenen Fläche einen halbwegs ebenen Platz mit ausreichend Raum für unser Zelt. Wir schoben und drückten die Räder und den Bugger die Böschung hoch, bauten schnell das Zelt auf und machten alles zum schlafen fertig. Ich machte noch einen kleinen Spaziergang in die Umgebung die uns verlassen wie sie war ein klein wenig unheimlich war. Ich sah ein altes demoliertes Auto von dem ich mir nicht vorstellen konnte, wie es an diesen felsigen von Büschen und Strauchwerk überzogenen Ort gelangt war. Einschüsse waren im Blech zu sehen und ich hoffte das diese Nacht niemand auf die Idee kommen würde in der Nähe der Kuhle seine Schießübungen abzuhalten. Neben wilder Lehmkuhle gezeltet.

14. März Mittwoch
7.45 Uhr aufgestanden. Bewölkt. Geduscht mit drei Liter Wasser. Am Abend zuvor hatten wir in Alcover bei der Kirche unseren Wassersack an einer öffentlichen Wasserstelle gefüllt. In den Wassersack passen maximal fünf Liter. Das Wasser aus dem Sack wird zum Abwaschen des Geschirrs und für unsere Körperpflege benutzt. Unser Trinkwasser und das Wasser zum kochen nehmen wir aus unseren Wasserflaschen die auf mehrere Flaschen verteilt, ebenfalls ca. fünf Liter fassen. Wenn wir uns nicht zu sehr einseifen und uns auf ein simples Körperabspülen beschränken, reichen sogar die drei Liter für zwei Personen. Sino legt im Moment weniger Wert auf ein Bad. Wir frühstücken, packen das Zelt zusammen und gucken uns noch einmal bei Tageslicht die Umgebung unseres Zeltplatzes an. An sich ist der Platz ganz schön, Der Boden ist durch Flechten und Feldplatten trocken und sauber. Im Hintergrund ein kleines Wäldchen und auf der anderen Seite der weite Blick über die wilde Tonkuhle. Die Räder werden auf dem gleichen Weg die Böschung heruntergelassen wie sie tags zuvor hochgestemmt wurden. Wir können den Bugger am Fahrrad lassen, und finden ohne abzurutschen über einige Felsvorsprünge den Zugang zum Weg.  Kurz vor 12 Uhr sind wir in Alcover auf der Post und geben zwei Pakete mit Helm und Duplos auf.  Die Duplos und der Helm wurden nicht benutzt, nahmen dafür umsomehr Platz im Hänger weg.

Wir mussten uns bevor wir die Pakete packen konnten noch zwei Kartons in den umliegenden Geschäften besorgen. Die Kaufleute zeigten sich sehr hilfsbereit. Im Postamt begann dann die große Packerei, weil ein Paket nicht mehr wie zwei Kilogramm wiegen darf. Die Duplos sind sehr gut zum Umschichten geeignet. 730 Pesetas kosten die zwei Pakete nach Alemania. Sino bekommt seine  ersten  Schuhe aus blauen Leinen für 770 Pesetas. Die Wollsocken die Sino immer getragen hatte reichten nicht mehr. Sooft wie Sino am laufen ist, werden die Socken in wenigen Augenblicken  dreckig und feucht. Wir trinken in einer Bar,  die schräg gegenüber der Post liegt einen Cafe con Leche, Sino bekommt einen Saft und alle drei essen noch Schokowaffeln. Dann suchen und finden wir den Weg durch die verwinkelten Gassen Alcovers und fahren zügig nach Cumbrills. Die gut ausgebaute Straße führt mit leichtem Gefälle über Reus ans Meer.  Camping für 1216 Pesetas. Fahrräder müssen extra bezahlt werden. Farbnegativfilm zum Entwickeln abge­geben. Von EC-Automaten 30000 Peseatas abgehoben.

15. März Donnerstag
Film mit 24 Aufnahmen für 1800 Pesetas Entwickelt worden. Ins Gebirge Richtung Ebro. Steile Straße bis Pratdip. Sonniges Wetter. Neben Haselnusshaufen gezeltet. Temperaturen: 20° bis 25° Celsius. Bewölkt 16° Celsius. Nachts bzw. morgens 9° Celsius.

16. März Freitag
Um 7 Uhr plus 4° Celsius. Um 10 Uhr Einkauf und Windeln waschen in Pratdip. Mittags Rast bei altem Kloster mit Heilwasserquelle. Deutschen gesprochen. Vier steile Pässe hoch und dann auf C-233 ca. 12 bis 15 Kilometer bis kurz vor Mora La Nova steile Abfahrt. Auf Obst­plantage übernachtet.

17. März Samstag
Frühmorgens ist es sehr nebelig. Temperaturen um 7.45 Uhr plus 6° Celsius. Über Ebrotal roter Sonnenaufgang. In Mora de Ebre einkaufen und Suche nach Spiritus, heißt im Spanischen Alcohol und kostet in Drogerie 125 Pesetas. Gutes Essen für 1050 Pesetas. Um ca. 17 Uhr in Gandesa. Kein Telefongespräch nach Deutschland, aber der Apparat schluckt 200 Pesetas.

18. März Sonntag
Abseits der Straße aufgewacht . Schlecht geschlafen. Ansteigender aber relativ gut zu fahrende Strecke Richtung Alcañiz. Bei Caceras am Fluss Wäsche gewaschen. Sehr windig. Trockene etwas trostlose Landschaft. Abends hinter Calceite gezeltet. Noch ca. 40 Kilometer bis Alcañiz. Erster großer Streit.

19. März Montag
N-420 im schlechten Zustand. Bauarbeiten sind im Gang. In Morgendämmerung weiß, braun, schwarz gestreifte Wiedehopfe dicht vor dem Zelt. In Valdetormo wieder Telefonversuch. Immerhin Stefan am Telefon. Zweiter Versuch klappte gut. Mit Fidi für 350 Pesetas gesprochen. Ziemlich zügig bis Alcañiz. im Hotel Avenidas drei Nächte für 5500 Pesetas.

20. März Dienstag
Alcañiz angeguckt. Bis zum Parador hinaufgestiegen. Elke hat Wäsche gewaschen. Ärger mit Hotelbesitzerin wegen Warmwasser und Wäsche im Zimmer. In El Pais über die Wahlen in der DDR informiert und frustriert.

21. März Mittwoch
Noch mal Alcañiz. Elke’s Geld aufgebraucht, bisher 31000 Pesetas. Nachmittags älteren Spanier getroffen. War begeistert von Deutschen, Technik, Disziplin. Militärische Disziplin und Härte, verschiedene Militärflugzeuge und ähnliches bestimmten seine Erinnerungen. Er sagte auch das ca. 10000 Spanier im zweiten Weltkrieg umgekommen seien oder waren es mehr? Legion Condor um 1938, während des spanischen Bürgerkriegs in Alcañiz. Spanier anscheinend 1941 in Deutschland, Russlandfeldzug mitgemacht.

22. März Donnerstag
Hotel bezahlt, incl. 5883 Pesetas. Durch karge Landschaft Richtung Zaragoza. Ca. 17 Uhr in Hijar. Am Samstag 24.März soll ein Musikfestival mit Umzügen etc. stattfinden "a la noche de la ?" nach Informationen der Kauffrau. N-420 in furchtbarem Zustand, z.T. erst durch Straßenbauarbeiten. Schlaglöcher oder Schotter. An­sonsten ist zügiges Fahren möglich. Reifen des An­hängers getauscht. Bei Azalla gezeltet. In Nähe Ibero-Romanische Stadtruine.

23. März Freitag
Auf schmaler Straße nach Belchite. Straße mit schwierigem Belag. Belchite im Bürgerkrieg zerstört, die Ruinen stehen noch. Elke telefoniert mit Annegrete wegen Geburtstag. Im riesigen Olivenhain übernachtet. Nachts schwerer Regen.

24. März Samstag
Sino nervte morgens. Regen und starker Gegenwind bei schwierigem Straßenbelag und Steigungen. Um 13 Uhr in Fuendetodos. Der Ort ist ohne Licht . Engländer getroffen. Geburtsort Goyas, liegt 750 Meter hoch. Sehr starke Gefällstrecke nach Jaulin. Dort eingekauft. Jaulin hat Dorfverschönerungspreis erhalten.

25. März Sonntag
Sehr stürmische Nacht an der N-330 verbracht. Fahrt bei heftigen Gegen- und Seitenwinden nach Zaragoza. In der Nähe des Stadtzentrums Pause in einem Park gemacht. Park hat Großstadtambiente. Fotografentrupp machte Fotos von uns und den Rädern. Blieben dabei immer auf Distanz bedacht. Gespräch mit jungem Spanier, jedoch wenig verstanden. Lebensmittel sind relativ teuer und machen nicht satt.

26. März Montag
Zeltplatz Casablanca an der Straße nach Madrid, in der Nähe Militärflieger. Manchmal stinkt die Luft nach stark verbranntem Gummi, ätzend. Sehr kalter Wind macht schlecht gelaunt.

27. März Dienstag
Wäsche waschen. Wetter ist windig, windig...Nachmittags in Zaragoza. Elke holt Geld vom EC-Automaten. Ebro ge­sucht und nicht gefunden. Für 1490 Pesetas mit Olden­burg telefoniert. Überall Bars, Chocolaterias, Kuchen ist einfach schlecht.

28. März Mittwoch
Schlecht gelaunt. Teedeckel verloren. Windig. Nach­mittags in der Stadt. Naturkostladen gefunden und eingekauft. In Cafe Tango Musik von K. Jarret und George Benson gehört.

29. März Donnerstag
Abreise. Platzbesitzer nahm vollen Preis bei halben Service. Holte die Polizei als wir nicht zahlen wollten. Viel Trubel, haben bezahlt. Alte schenkte Sino noch 100 Pesetas. Wollte Photos machen von Polizei und Altem, der wurde richtig aufgebracht. Zaragoza hat unendlich viele Einbahnstraßen. Auf N-II nach Lerida von Guardia Civil angehalten, Anhänger mit Kindern (Sino) in Spanien nicht erlaubt. Wir durften trotzdem weiter. Hinter Abfahrt Piña de Ebro übernachtet.

30. März Freitag
Morgens um 7.40 Uhr Sommerzeit minus 4° Celsius. Wasser gefroren. Gelände und Wind weniger günstig wie am Vortag. Zügig bis Bujaraloz. Angenehme Menschen und Atmosphäre. Auf Dorfplatz eingekauft und gegessen. Weiter, Elke hat Heimweh. Halbwüste, kalter Wind, bergauf  und ab. Gegen Nachmittag wieder Bäume. Sino übt kacken und hockt sich dabei hin. Gezeltet in Pfirsich und Mandelbaumhain mit schöner Aussicht. Bisher ca. 65000 Pesetas ausgegeben.

31. März Samstag
Morgens mit Besitzer der Pfirsichbäume gesprochen. Übers Wetter und Sino’s blaue Augen. Netter Mensch. Bei starkem Gegenwind mit Steigung nach Fraga. Einkaufen und Pause in Ortsmitte. Polizist neugierig wegen Anhänger. Hinter Fraga sehr steile und anstrengende Steigung. Um 17 Uhr in Serós wegen Spiritus. Hinter Serós in alten Olivenhain Zelt aufgestellt.

1. April Sonntag
Bis 13.30 Uhr in Maials. Landschaftlich ansprechende Gegend. Gegenwind und Steigungen. In Maials gut gegessen. Nachmittags Regen. Gefällstrecke bis nach Flix am Ebro. Bis kurz vor Ascó gefahren. Sino will zum kacken Windel ausziehen und vors Zelt. Ab Fraga/Maials milderes Klima. Bis 30.03. ca. 65.000 Pesetas ausgegeben.

2. April Montag
Nachts Regen. Ascó hat nuclear center. Links am Ebro nach Mora la Nova. In Ginestra Waschpause. Alte Häuser mit verblassten Fresken. Straße wird neu gebaut, deshalb z.T. Pisten. Landschaft schön. Gebirgig bis hinter Rasquera. Auf Terrassenanlage mit Olivenbäumen gezeltet.

3. April Dienstag
Nachts sehr starker Wind. Besonders unangenehm in engen Bergeinschnitten, aber häufig von hinten. Zwischen Benifallet und Tivenys steile Abfahrt in weite Ebrotal. In Tortosa wollte sie für Absteige Fonda 1800 Pesetas ...mas caro. Weiter bis Amposta und bis Camping Mediterano am Meer. Noch 18 bis 20 km von Amposta entfernt. Im Dunkeln angekommen.

4. April. Mittwoch
Probleme mit Magen besonders Elke. Campingplatz sehr schön. Ornithologen aus Bremen angekommen. Abends in Els Muntells eingekauft. Viel Bewölkt. Nachts Regen, sonst angenehme 25 ° Mittags. Nachts ca. 11° Celsius.

5. April Donnerstag
Nachmittags Richtung Salinas / Parc National. Die Landschaft ist etwas eintönig. Wenig Wildnis. Sino ist der Liebling von Mädchen einer Jugendgruppe. Bisher ca. 650 Kilometer gefahren.

6. April Freitag
Nachmittags in San Jaume. Dicker Platzregen. Zurück auf Campingplatz ist unser Zelt aufgebrochen. Die Essenstasche und Elke’s Lenkertasche sind gestohlen worden. Niederländisches Geld vor dem Zelt gefunden, bin sehr wütend. Abends sehr schönes Gewitter über dem Delta. Sino hat nachts hohes Fieber, 39.7° Celsius.

7. April Samstag
Mittags in San Jaume bei der Guardia Civil. Hektischer aber letztlich freundlicher Polizist nimmt das Protokoll auf. Sehr schönes Wetter. Campingplatz füllt sich . Montag ist Feiertag. Semana Santa oder so in der Osterzeit.

8. April Sonntag
Nachmittags am Strand. Tischwein am Abend schmeckt nicht . Cerveza mit Chips sind besser.

9. April Montag
Bei starke Gegenwind mittags nach Amposta, Filme abgeben. Bis Geschäftsöffnung die Stadt angesehen. Macht etwas runtergekommenen Eindruck. Thermotasche für 2400 Pesetas gekauft und in Els Muntells eingekauft.

10. April Dienstag
In San Jaume gegessen für je 900 Pesetas. In Café - Bar Brief angefangen. Sino verlegte Kugelschreiber und machte mich schlecht gelaunt. Versuch neuen Kugelschreiber zu kaufen scheiterte, gibt es nicht, nicht in schwarz. Sino, Elke und Jörg sitzen in San Jaume in einer Café - Bar und trinken Café con Leche, außer Sino. Alle essen süßen Kuchen und Elke und Sino überlegen was sie nach vier Wochen Spanien in einen Brief an Alle schreiben können. Der erste Versuch beginnt folgendermaßen. "Zunächst der Gesamteindruck von Spanien, erlebt als Rad fahrende Touristen. Der ist überwiegend viel schlechter als erwartet. Spontan würde ich sagen, das Beste an Spanien ist die Touristenreklame. Aber man wird leicht ungerecht." Das ist Jörgs Anfang. Bei Elke liest sich der Anfang so. "Das Schreiben musste leider erst einmal unterbrochen werden, weil Sino Jörg's Kugelschreiber verloren hatte. Dies meinten wir jedenfalls. Nach langem Suchen, die Leute aus der Bar halfen tüchtig mit, fand Jörg ihn in seiner Tasche. Sino hatte ihn dort hingelegt. Doch nun weiter mit den Eindrücken. Leider drücken sie wirklich manchmal, da wir einige unangenehme Erlebnisse hatten. Zunächst hatten wir einige Schwierigkeiten uns einen angenehmen Reiserhythmus anzueignen. Anzuhalten wenn es uns gefällt oder wir keine Lust mehr haben oder auch einfach müde sind. Auch jetzt müssen wir uns häufiger sagen, 'wir haben viel Zeit'." Der Brief wurde nicht zu Ende geschrieben, es blieb beim Anfang, der nicht abgeschickt wurde. Der erste Brief ist am 15. April fertig.

11. April Mittwoch
Allein nach Amposta, Fotos abgeholt für 2400 Pesetas. Nachmittags Spaziergang am Strand und in Feriendorf. Sonnig aber noch sehr windig. Spanischer Reis pappt, aber macht sehr satt.

12. April Donnerstag
in Spanien nachmittags Geschäfte geschlossen. Noch in San Jaume eingekauft. Mit Fähre nach La Cava gefahren. Am Fähranleger gegessen. Dünner Salat und noch dünnere Tortilla. Fährmann wechselt zum Anlegen seine Fahrkabine. Fähre zusammengeschweißte Plattformen. Preis Hin- und Rückfahrt 100 Pesetas. Campingplatz total dicht, ganz andere Atmosphäre wie in den Tagen davor.

13. April Freitag
Wetter bedeckt aber relativ windstill. Nachmittags am Strand. Strand verwandelt sich in Schnellstraße. Auf Camping viele Leute mit Rädern, MTB's. Abends und Nachts Regen.

14. April Samstag
Vormittags Sturm, wir bei Gegenwind nach San Jaume. Einkaufen. Um 14 Uhr Bar total voll, alles Männer. Ein Höllenlärm. Abends am Strand ein farbenprächtiges, plastisches Licht. 30000 Pesetas in San Jaume von Bank geholt.

15. April Sonntag
Ruhiger Tag mit viel Wind vom Land. Spaziergang am Meer bis Kanal. Schönes Licht. Abends in Restaurant Mediterani Blau, Bier und Calamaris für 750 Pesetas. Ebro Delta bei Sonne und Ostwind sehr schön. Tolles Panorama mit Bergkulisse. Delta wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. Camping sehr schön, versifft jedoch nach einem Wochenende komplett.

1. Brief

15. April 1990

Playa Eucalyptus - Ebro Delta

Sechs Wochen sind wir inzwischen in Spanien. Gefahren sind wir ca. 650 Ki­lometer. In Barcelona angekommen morgens gegen 9.30 Uhr. Also 24 Stunden nachdem wir aus Oldenburg am 07.03.1990 losgefahren sind. Unsere Reise­route seitdem: Barcelona, Sitges, El Vendrell, Valls, Reus, Cambrills (südlich von Tarragona), durch die Berge nach Mora D'Ebre am Ebro, Gandesa, Alcañiz, Belchite, Fuentetodos (Geburtsort von Goya), Zarragoza, Bujaraloz, Fraga, Ascó (Nuklearzentrum), Mora la Nova, Tortosa, Amposta und nach weiteren ca. 18 Kilometern ist der Reisende am Playa Eucalyptus und kann seine Füße im Mittelmeer baden.

Was gibt es Interessantes zu berichten nach sechs Wochen, und inklusive Ne­benstrecke fast 700 Kilometern Fahrradfahren...? Alles Mögliche. Fangen wir mit dem Wetter an. Höchste gemessene Temperatur im Schatten ca. 30° bis 35° Celsius, das war am Nachmittag. Die tiefste Temperatur registrierten wir gegen sieben Uhr morgens, minus vier Grad. Ansonsten viel Sonne, wenn es regnet meistens Abends oder Nachts. Was für uns sehr wichtig ist, der Wind. ich hätte nie gedacht, dass es so viele unangenehme, andauernde Winde geben kann. In Zaragoza tagelang und sehr kalt den Ebro hinunter. Im Ebro Delta, flach wie eine Tischplatte, aus wechselnden Richtungen. meistens staubgeladen von den Ackerflächen, die im Wechsel bepflanzt, gepflügt oder staubfein gemahlen wer­den. Unser Zelt hält bisher den Winden stand. Etwas windschiefer als zu Beginn der Reise, ansonsten scheint es robust zu sein. Fürs Radfahren ist der Wind viel unangenehmer als alle landschaftlichen oder straßenbaulichen Tücken. Zum ei­nen hätte er uns schon um ein Haar von der Straße gepustet, zum anderen geht tagelanger Gegen- und Seitenwind an die Psyche. Der Radfahrer ist im Gegen­satz zum Autofahrer eindeutig der Schwächere.

Wollt ihr wissen wie wir wohnen? Die meiste Zeit im Zelt. In Alcañiz hatten wir für drei Nächte ein Hotelzimmer, pro Nacht 30 DM inklusive durchhängen­den Betten und unfreundlicher Hotelbesitzerin. Regte sich furchtbar über das Wäschewaschen im Zimmer auf. In Tortosa wollte frau für eine Absteige ebenfalls 30 DM. Seitdem stehen wir endgültig auf zelten, oder vielleicht ergibt sich die Gelegenheit ein preiswertes Appartement zu mieten. Am liebsten zelte ich unterwegs im freien Gelände. Dort finden wir die schönsten Plätze und das umsonst. Wenn wir am Wegesrand unser Zelt aufgeschlagen haben, hatten wir bisher noch am meisten Gelegenheit einen Smalltalk übers Wetter mit einem Spanier zu halten. Zu viel mehr reicht unser Spanisch auch nicht. Und da wären wir schon beim heikelsten Thema unserer Reise. Spanien und die Spanier/innen. Wir sind ja in der Absicht hergekommen Land und Leute kennen zu lernen. Das mit dem Land klappt ganz gut. Das erfahren wir uns im wörtlichsten Sinn. Nur die Leute sind ein Problem. Hätte man mich in den letzten Wochen gefragt, was ich von den Spaniern halte, ich hätte gesagt, Spanier/innen sind engstirnige Gaffer, die am liebsten im Muff ihrer Geschichte, oder dem Müll der Gegenwart leben.

(Elke) Das klingt ganz schön hart. Aber Jörg ist enttäuscht nicht auf Großzü­gigkeit zustoßen. In Zaragoza holte der Campingwart die Polizei, da wir die Campinggebühren zu hoch fanden (weder der Supermarkt war offen noch das Restaurante, außerdem gab es nur eine warme Dusche, alle anderen waren ab­gestellt). Auf diesem Campingplatz sind zwar die Gebühren in Ordnung, dafür haben sie mir die Lenkertasche geklaut, und die Essenstasche ebenfalls. Zwar nichts wertvolles, jedoch hier nicht wieder zu beschaffen. Zwischen Zaragoza und Fraga wurden wir von der Guardia Civil angehalten. Sie erklärten uns, dass der Kindertransport im Fahrradanhänger gefährlich sei und in Spanien verboten. Ein Witz wenn man sich die Fahrradkindersitze hier ansieht. Hinzu kommt das uns die Leute häufiger zwar ihre Aufmerksamkeit schenken, jedoch mehr die als wären wir verrückt.

Fortsetzung folgt...

16. April Montag
Ruhiger Tag mit Reisevorbereitungen. Waschen und Packen. Viele Spanier sind oder fahren ab. Nachmittags leerer Platz. Abends am Meer und im Restaurant trockene Bocadillos.

17. April Dienstag
Um 13.30 Uhr Abfahrt. An Reisfeldern und Oasendorf vorbei, zügig bis Sant Carles de la Rapida. Stadtbummel. Bei geschäftstüchtiger steinalter Bäckerin Brot gekauft. Abends kurz vor Benicarlo vor Artischokenfeld mit Meeresblick gezeltet.

18. April Mittwoch
Morgens Gespräch mit Bäuerin, schenkte uns Artischocken. Mittags Benicarlo. Fotokopien gemacht und Kaffee getrunken. Abstecher nach Peniscola, alles Touristenburgen. Viel Gegenwind. Pause in Santa Magdalena de Polpis. Sehr schöner Ort. kurz vor Alcala de Xivert gezeltet. Blick auf eine alte Burg.

19. April Donnerstag
Früh nach Alcala de Xivert zum Wäsche waschen. Die N-340 ist gut zu fahren. Viele Lkws und tote Hunde. In Orpesa am Strand. Artischocken gekocht. Beliebte Surfecke. Ab Benicassim alles Tourismus. Hinter Benicassim rechts der N-340 bei verfallenem Haus unter alten Olivenbäumen gezeltet. Nachts starker Wind.

20. April Freitag
Sonnig aber kalt. Bis El Grau de Castillo Apartments und Villen. Hinter Hafen in Ebene Orangenplantagen und tote Hunde. In Borriana bei kinderfreundlichen Restaurantbesitzer gegessen. Schlecht gelaunt. Essen gut und nicht teuer. Ab Nules bis Almenara auf N-340. Mit Mutti telefoniert, zu teuer. Auf Picknickhügel gezeltet.

21. April Samstag
Nachts Dauerregen. Morgens sonnig und schönes Panorama nach Sagunto rüber. Alles Orangenbäume. Neugierige alte Männer. Einer fragte mich beim Wäsche waschen aus und erzählte gleich alles weiter. Nachmittags in Sagunto. Römisches Theater besucht. Altstadt mit historischem, quietschendem Pflaster. Elke Geld geholt. Abends in Port de Sagunto. Breiter Strand und Industrie. Mit viel Problemen hinter Pucol in Obstplantage gezeltet. Schon fast dunkel.

22. April Sonntag
Ca. 13 Uhr bei kaltem Wind auf N-340 nach Valencia. Feiertag mit viel Knallerei. Innenstadt von Valencia alt und schön. Gespräch mit US- Seemann. Abends nach El Saler. Vorher in Vorort von Valencia Wäsche waschen. Wasserstelle beliebter Ort für Fixer. Camping los Pinos auf 1000 Pesetas runtergehandelt. Spanische Campings viel zu teuer. Preise ab Erwachsene 250 Pesetas, Kinder 200 Pesetas, Zelt 250 Pesetas, Räder 200 Pesetas und teurer. So kommt man leicht auf 20 DM pro Tag.

23. April Montag
Immer noch Feiertag. Ganz Valencia ist an der Küste. Zwischen El Saler und El Parrellonet Dünen mit Kiefernwäldern. Dann Hotels, Apartmentburgen. Kurz vor Cullera am Hügel mit Orangen, Schilf, viel Wildnis gezeltet. Eule flog dicht am Zelt vorbei. La Albufera nicht sehr beeindruckend.

24. April Dienstag
Mittags in Cullera. Stierkampf in Straßen der Stadt. Autofahrer nehmen keine Rücksicht auf Fußgängerampel. Küste bis Gandia ist flacher Agrarstreifen, gesäumt von Hotelburgen am Wasser. In Xerco gibt es schlechtes Essen. Elke’s Pollo ist kalt und halb roh. Ab Gandia nur noch Ort an Ort und Orangen, Orangen. Hinter Rafelcofer an stiller Autobahn übernachtet.

25. April Mittwoch
Morgens ist Elke krank, Schüttelfrost und mehr. In Villalonga de la Safor treffen wir Schweden. Sven heißt er, bietet uns sein Apartment für zwei Tage an. Wir verbringen tatsächlich die Nacht in der Wohnung.

26. April Donnerstag
Im Apartment bewohnt außer uns ein Mann ein Zimmer. Er ist nur Nachts zum schlafen da. Eine typisch spanische Hygienesau. Sino bekommt neue Schuhe, blaues Leder, für 4500 Pesetas. Ansonsten einkaufen, gucken und zweimal versucht Angelika anzurufen.

27. April Freitag
Löse Check über 25000 Pesetas ein. Tags ist es hier immer bewölkt aber trocken. In der Nacht hörten wir verhinderten spanischen Opernsänger auf der Straße. Vier Briefe abgeschickt. Bei der Post gab es nicht genug Briefmarken, die kauft man in tabacos.

28. April Samstag
Vom Schweden verabschiedet. Weg nach Lorcha schwer zu finden. Hinter Ortsausgang Richtung Chimesta links am Fluss entlang. Hinter Restaurant steile Anhöhe hinauf geschoben. Hinter Steinbruch in mal calle und dann durch ein wunderschönes Tal nach Lorcha. Ein kurzer, ein langer, und zwei mittlere Tunnels sind zu passieren. Die Schotterstrecke, ein altes Gleisbett, führt unter anderem an einem gewaltigen Wasserfall vorbei. Der Rio Serpis ist zum Teil Parc natural. In Lorcha über dem alten Bahnhof eine alte Burg aus dem zwölften Jahrhundert. Leute nach Campingmöglichkeiten gefragt, dann ins Café nach Lorcha. Von dort von Jaime abgeholt. Er bot und Übernachtung in seinem Haus an. mit Elena, Marina und Jaime sehr netten Abend verbracht.

29. April Sonntag
Morgens Stippelregen. Wir bleiben bis Mittag und verabschieden uns dann von den Dreien. Sino schenkt Marina Holzbilderbuch. Es ist sehr schwül. Elkes Vorderrad hat zwei Löcher. Es regnet, wir fahren bis Beniarres auf der alten Bahnlinie. In der Bar People gibt es gutes Essen, Tapas. Bei Alcosser in Wassergraben Wäsche gewaschen. Neben altem Bahndamm, Unterführung gezeltet. Vorher am Fluss Obstbauern gesprochen, netter alter Mann. Nachts starker Regen.

Montag   30.04.90

Morgens Regen, Regen. Wir frühstücken im Zelt. Ich ziehe schnell mei­ne Regenjacke über, gehe zum Bugger und nehme die Essenstasche heraus. Im Zelt ist es ein wenig eng wenn das Frühstück ausgebreitet ist. Das Wichtigste in solchen Momenten ist ein friedlicher Sino der nicht durch das Essen krabbeln will. Wir kochen einen Tee. Kaffee ist durch das Fehlen eines Kaffeefilters immer mit viel Abwasch verbunden.­ Wir geben den Kaffee lose in den Wasserkessel und gießen das Wasser oben auf. Der Wasserkessel bleibt solange auf dem Kocher bis der Kaffee schaumig aufkocht. Dann wird es auch höchste Zeit den Kessel vom Spirituskocher zunehmen. Wenn der Kaffee doch am Überkochen ist, müssen wir auch noch den Spirituskocher abwaschen. Wo bleibt dann das Wasser für unsere Abend oder Morgenwäsche?

Von unserem Zeltausgang aus haben wir einen Überblick über das Tal mit den zwei Häusern. Das Haus neben der alten Bahnlinie nur wenige Meter vom Tunnel entfernt sieht überwiegend unbewohnt aus. Es wirkt wie ein großes etwas heruntergekommenes Feriendomizil. Spanische Familien tendieren eher zu großen Ferienunterkünften, die sich die Familien teilen. Die kleinen individualistischen Ferienhütten der Nord­deutschen Ferienküste sind die Ausnahmen. Schräg gegenüber dem vermeintlichen Ferienhaus liegt das andere Gebäude, einander durch die Straße getrennt. Beide Häuser haben viel Grundstück. Bei dem er­sten Haus ist das Gelände terrassenförmig angelegt, ein Schwimmbec­ken oder etwas ähnliches können wir beobachten. Gestern Abend hör­ten wir Schafe, vielmehr das Läuten von Glocken die die Schafe tragen. Durch das dichte Unterholz am Hang konnten wir nur wenig sehen. Zahlreiche Olivenbäume versperrten zusätzlich die Sicht den Hang hin­auf. Nach dem Frühstück fingen die obligatorischen Arbeiten an. Sino wird umgezogen.

Das Frühstücksgeschirr muss abgewaschen werden. In regenfreien Mo­menten werden die Schlafsäcke und die Isomatten in die Gepäckta­schen gestopft. Die beim Verpacken frei werdenden Kräfte zerren schon unter normalen Bedingungen an den Rädern. Jetzt müssen wir feststel­len das unser Zeltplatz auf dicken Kleieboden steht der bei dem anhal­tendem Regen in eine  Matschlandschaft verwandelt wird. Jede Bewe­gung an den Rädern bringt diese aus ihrem festen Stand. Die Fahrrad­ständer bohren sich in den Boden und finden dennoch keinen Halt. Mit etwas Glück finden wir eine Unterlage die den Ständern Halt gibt. Sino ist solange an das Zelt  gefesselt. Freiwillig bleiben will er nicht im Zelt. Er will wissen was draußen vor sich geht. So sind Elke und ich im flie­genden Wechsel damit beschäftigt, Sino von der Schlammlandschaft fernzuhalten. Mit den vollbepackten Rädern merken wir erst richtig, wie abgelegen der Platz ist. Und vor allen Dingen welche Anhöhe wir am Abend zu vor hochgeschoben waren. Jetzt heißt es den ganzen Weg in umgekehrter Richtung überwinden, um auf die feste Asphaltstraße zu gelangen. An Bremsen ist nicht zu denken während wir die Fahrräder den Hang hinunterbegleiten. Wir sind froh die Räder stabil zu halten und nicht gemeinsam mit ihnen in den Matsch zu fallen. Mit leicht gesteuer­tem Schwung bewegen wir uns auf der Schmierseife am sichersten den Hang hinunter. Der schwere Kleieboden wickelt sich wie Teig um die Laufräder. Zwischen den Schutzblechen, den Bremsen und den Rollen­dynamos kleben die dicken Klumpen. Die Schleifgeräusche während der Fahrt sind das eine Ärgernis, ein Anderes ist der feine Regen. Bei Temperaturen um 18° c wissen wir nicht ob wir die Regenhosen aus oder anziehen sollen. Bei den ersten Steigungen kommen wir fürchter­lich mit den Regenhosen ins Schwitzen. Bei Agres werden die  Räder von Matsch gereinigt. Wir stellen uns einfach am Straßenrand neben eine tiefe Pfütze und waschen die dicksten Matschklumpen ab. Die Schutzbleche liegen teilweise so dicht über dem Pneu, das schon ein kleines  festgeklemmtes Steinchen nervige Quitschgeräusche von sich gibt. Agres mit seinem dicht am Berg gebauten Kloster hängt halb in den Regenwolken. Bei Sonnenschein ein einladender Ort. Aber es regnet und regnet. Schöne grüne Landschaft mit tiefhängenden Wolken ist un­ser Eindruck an diesem Vormittag. Eine Landschaft die seit Lorcha mit ihrer satten Vegetation, ihren vielen Frühlingsblumen in bezaubernden Farben, eine angenehme Erinnerung bei uns hinterlässt. Dafür muss es auch mal Regnen dürfen.  In Alfafarah Pause. Kurz vor dem Ortskern su­chen wir in der linker Hand liegenden Bar Zuflucht vor der Nässe. Die Bar ist eine alte Dorfkneipe, an einem der Tische lassen wir uns nieder, ziehen die nassen Jacken, Hosen und Strümpfe aus und bestellen zu Essen und zu Trinken. Cafe con leche für Elke und mich, für Sino eine warme Milch. Zu Essen bestellen ich mir Blanko y Negro, wie sich her­ausstellt eine helle und eine dunkle gebratene Wurst zwischen zwei Brothälften. Ansonsten gibt es Bacadillos und für Sino haben die Wirts­leute einen zuckersüßen und furchtbar klebrigen Lutscher. Nach weni­gen Minuten ist Sino an Händen und im Gesicht völlig verklebt.   Die Wirtsleute sind zum Schluss sehr freundlich, insbesondere die Frau. Sie wollte Sino für ein paar Tage dabehalten. Sie wollen noch wissen wo wir langfahren werden. Einer der Gäste rät uns von der Strecke über On­tinyent ab. Die Straße sei zu schwierig zu fahren. Wir sollten besser links abbiegen und dann ab Villena die Straße nach Albacete fahren. Wir befolgen den Rat und biegen an der C 3316 links ab Richtung Villena. Bocairent versteckt sich mit seinem hübschen  Stadtpanorama im Dunst. Auf einem Hügel liegt die Ansammluhng in einander verschach­telter Häuser, rechts neben dem Ort liegt ein zweiter Hügel mit einer al­ten Festung. Wie ein Paar ungleicher Brüder liegen die beiden Hügel nebeneinander. Vereint vom Nebel der die ganze Scene in Stille taucht.  Regen, Regen, wir halten neben einer Raststätte und versuchen uns ein letztes Mal zu trocknen, nachdem uns der immer stärker werdende Re­gen völlig eingeweicht hat. Die dicken Socken, die die Füße warm halten sind ein zweites Mal tropfnass. Was können wir auf Dauer während die­ser Zwangspause machen? Nachdem zweiten Kaffee ist der Durst ge­stillt und warm wird uns auch nicht. Wir beschließen im Regen weiter zu fahren und unser Zelt am nächsten Besten Platz auf zubauen. In Be­neixama kauft Elke in einem kleinem Supermarkt ein. Ich warte solange bei den Rädern und dem schlafenden Sino. Beim Abfahren einer kleinen Seitenstraße stoßen wir auf einen weiten offenen Platz. Kinder spielen dort und wir können ein gut erhaltenes Francodenkmal bewundern. Es hat nicht den Anschein als ob sich der alte Gaudillo vor der Öffentlichkeit verstecken müsste. Mitten auf dem Platz steht er und blickt von seinem gepflegten Sockel auf seine Landeskinder. Ca. 10 Kilometer vor Villena biegen wir von der Hauptstraße ab und versuchen in der Nähe eines Bauerngehöfts einen regengeschützten Platz für unser Zelt zu ergattern. Sobald wir uns dem Hof nähern tauchen aus den überraschensten Ver­stecken angekettete Hofhunde auf und kläffen uns wild an. Solche Nachbarn sind uns dann doch zu gefährlich. Einige hundert Meter ent­fernt finden wir neben einem Gehölz einen ebenen Platz der fast völlig vor dem Regen geschützt ist. Schnell bauen wir das Zelt neben dem kleinen Wäldchen und  hängen die viele nasse Wäsche zwischen den Bäumen auf. Der Platz wird auf der, der Straße zu gewandten Seite von einem Bewässerungsgraben gegrenzt. Eine betonierte Wasserstufe scheint uns der ideale Platz zum Waschen und zum Spülen zu sei. Sino balanciert liebend gern auf dem Rand des Bewässerungsgrabens ent­lang. Weil ich am Geschirr abwaschen bin, regen mich seine waghalsi­gen Balancierversuche, am Rande des durch den Regen schnell flie­ßenden Wassers ziemlich auf. Mit einem Auge sehe ich nach Sino mit dem Anderen versuche ich zu kontrollieren ob unser Geschirr noch vollständig ist, oder ob Teile schon von der Strömung fortgerissen wurden. In der Situation rutscht Sino tatsächlich ab und taucht halb in den Gra­ben ein. Mit einem schnellen Griff pack ich ihn an der Regenjacke und ziehe ihn an Land. Ich bin selber überrascht wie kräftig die Strömung an dem dicken Baby gezerrt hat. Das Ganze hat nur einen kurzen Augen­blick gedauert. Seine Regenkleidung hat das meiste Wasser von Sino abgehalten, so muss nur die ohnehin häufiger nasse Hose umgezogen werden.

1. Mai. Dienstag
Nachmittags starker Regen der selbst den Baumschutz durchdringt. Sino will immer auf der Stange vom Rad sitzen.

2. Mai. Mittwoch
Bedeckt und Temperaturen zwischen 12° Celsius und 14° Celsius. Elkes Gepäckträger an Schweißnaht gebrochen. Mit Klebeband und Gurt repariert. In Villena Richtung Elda / Alicante wegen unbeständigen Wetter abgebogen. Vierspurige Straße führt durch Müllgegend. Wenig bewachsene Berge rechts und links der Straße. Angenehmer Rückenwind. Auf N-Straße bis Aspe, dann auf C-Straße nach Elche. Karge Gegend und sehr hügelig. Nach Elche geht’s bergab die Straße hinunter. Nach viel Hin- und her den Camping El Palmeral gefunden.

3. Mai. Donnerstag
Der Camping liegt unter Palmen und ist hauptsächlich Stand- bzw. Durchgangsplatz für Caravans. Östliche Stadthälfte mit z.T. alten historischen Zentrum. Filme zum Entwickeln abgegeben. Ane unsere Wunschliste telefonische durchgegeben. Kurz den Palmengarten besucht.

4. Mai Freitag
In Renf-Station Fahrplan geholt. Am Brunnen teurer gegessen. Den Parc Municipal besucht. Sino rutscht sehr gern und klettert allein die Sprossen hinauf. Er will auf dem Bauch liegend rutschen. Brot für 300 Pesetas aus Naturkostladen geholt.

5. Mai Samstag
Brot aus Naturkostladen schon verschimmelt weil in Folie verpackt. Spanische Grammatik ESO ES kopiert. Geschäfte machen selten Punkt neun auf. Hier haben Geschäfte am Samstagnachmittag geschlossen. Deshalb in der Weststadt in Kaufhaus Lebensmittel gekauft. Zu Fuß ein kaufen ist sehr anstrengend. Sino spielt mit Mädchen aus Erding. Eltern mit Kindern unter sechs Jahren sehen wir häufiger.

6. Mai. Sonntag
Besuch im Huerta del Cura, Elches Kakteengarten. Sino planscht mit anderen Kindern im Wasser und Abends fährt er mit Sebastians Fahrrad. Er ist fasziniert davon. Ansonsten Kommunionstag mit vielen Feiern.

7. Mai. Montag
mit dem Bus nach Alicante in ca. 30 Minuten. Der Busbahnhof liegt viel näher im Stadtzentrum wie die Bahn. Alicante hat schöne und runtergekommene Stadtviertel. Die Hafenpromenade ist sehr schön. Hinter Rathaus Viertel, mit Stricher- und Taschendiebmilieu. Andere Leute leben auch dort. Am Strand viele Algen und Sino fällt ins Wasser. 20000 Pesetas von Bank geholt.

8. Mai Dienstag
Fahrräder gewaschen und Taschen neu sortiert. Wetter schön. Erstes und letztes Mal Kontakt zu älteren Niederländern, die den Platz zum Überwintern nutzen. Die meisten Kontakte entstehen, kurz bevor die Leute fahren.

9. Mai. Mittwoch
Mit dem Rad in die Stadt und dort von Elcher Pressefotografen fotografiert worden. Abends mit Ane telefoniert. Nachts heftige Regenfälle.

10. Mai. Donnerstag
Morgens ist Wasser im Zelt. Die Beschichtung des Zeltbodens lässt zu wünschen übrig. Den Vormittag haben wir deshalb im Vorzelt einer Belgierin verbracht. Jeanette ist eine sehr freundliche Frau.

11. Mai. Freitag
In Elches Zentrum werden aus Elke’s Fahrradtasche Spiritus und Klebeband gestohlen. Den Spiritus finden wir wieder. Elke telefoniert mit Annegrete und ich mit Angelika und Jerry. Brief aus Oldenburg erhalten.

12. Mai. Samstag
Vormittags einkaufen und dann mit Sino ins Schwimmbecken. Das Wasser findet Sino trotz Kälte toll. Interessante Zeltnachbarn aus Ravensburg, drei Frauen und zwei Marokkaner. Sino spielt mit Kindern bzw. Dreirad aus Eutin.

13. Mai. Sonntag
Das Wetter ist sonnig, im Swimming Pool gebadet. Morgens sind Böllerschüsse zu hören. Es ist Kommunionstag der spanischen Jungen. Temperaturen morgens ca. 19° Celsius, mittags ca. 25° bis 30° Celsius.

14. Mai. Montag
Mit dem Rad bei knalliger Sonne nach La Marina. Einfache Fahrt ca. 15 Kilometer. Ohne Müll wäre es eine schöne Siedlung direkt am Meer. Strand ist mit vielen Scherben verdorben. Sino spielt im Wasser und bekommt einen Sonnenbrand. Abends Unterhaltung mit Bremern die mit Land Cruiser nach Marokko unterwegs sind.

15. Mai. Dienstag
Ausgeliehene 6000 Pesetas von Bremern zurück erhalten. Italienerin verabschiedet sich freundlich von uns. Wir hatten ihr unsere Wäscheleine angeboten. Nachmittags für 1000 Pesetas in volkstümlicher Bar plata combinada gegessen. Es gibt viele Lederfabriken in Elche. Habe tüchtigen Sonnenbrand. Fotos abgeholt. Bereits drei Filme entwickeln lassen für je 2500 Pesetas. Schwüles Wetter.

16. Mai. Mittwoch
Vormittags zur Seguridad Social in der Calle San Juan 48. Im Centro Medico von deutschsprachigem Angestellten bevorzugt durch mehrere Instanzen bis zur Gynologie zur Untersuchung geschleust. Grund, das Ausbleiben von Elke’s Regel. 30000 Pesetas von Bank abgeholt und letzte Briefe fertig geschrieben. Zwei Fuji-FN Filme für je 625 Pesetas gekauft.

17. Mai. Donnerstag
In Gesundheitszentrum San Fermin Urinprobe von Elke abgegeben. Gedrängel und schlechte Luft im Flur. Angelikas Brief erhalten und für 500 Pesetas Menú del dia in sehr atmosphärischer Bar gegessen. Abends Flasche Wein mit Frank und Manfred aus Osnabrück getrunken.

18. Mai. Freitag
Elke guckt nach Regenhose, die soll 100 DM kosten. ich hatte völlig die Landtagswahlen vergessen. Das Ergebnis freut mich. Nachricht von Paket erhalten. Der Halter an meiner Lenkertasche ist eingerissen. Abends mit Frank und Manfred aus Osnabrück gegrillt.

19. Mai. Samstag
Morgens Paket abgeholt. Vormittags mit Frank und Manfred im Auto nach Alicante gefahren. Schlecht gegessen. In Touristengebieten fehlt meist etwas am billigen Essen. Abends mit Kreuztal und Oldenburg telefoniert.

20. Mai. Sonntag
Nichtstun am Pool. Sino ist ganz wild auf Wasser, er will gar nicht mehr ins Trockene. Er strampelt schön im Wasser. Mir ist das Wasser im Pool zuerst immer zu kalt. Seit einer Woche schönes Wetter, zum Teil etwas drückend. Der Spiritus aus Elche ist bisher der Beste in Spanien, er gibt eine heiße Flamme und hinterlässt keine Rückstände.

21. Mai. Montag
Lenkertasche ein zweites Mal eingerissen. Jetzt den Halter dick mit Sekundenkleber eingestrichen. Sino ist etwas nölig. Er sabbert die letzten Tage stärker. Elke hat Bauch und ich im Verhältnis einen noch größeren. Das kommt vom Essen und vom Bier.

22. Mai. Dienstag
Abreise von Frank und Manfred. Sie nehmen ein Paket von uns mit. Das Resultat von Elke’s Urinprobe ist negativ. Der Arzt spricht englisch. Müsli gekauft und im Nan-Nan anständig gegessen. Museo argeoloque angesehen und einen Spaziergang in Parkanlage gemacht. Radlerpaar aus Hagen getroffen. Ein bisschen Erfahrungsaustausch. In Oldenburg angerufen. Ane hatte geträumt, das Elke Kind bekommt und trotzdem weiterfährt.

23. Mai. Mittwoch
Den Erfahrungsaustausch vom Vorabend fortgesetzt. Die Beiden sind nach Murcia unterwegs und werden eine Paralellstraße zur N-340 fahren. Am Nachmittag versucht mit der EC-Karte von der Caja Postal in der calle de san juan Geld abzuheben. Kein Erfolg. Tesaband ist nirgends zu erhalten. Regen, Mittags mit Sonne und dann heftiger Dauerregen mit Gewitter bis in die Nacht hinein. Das Zelt hält dicht.

24. Mai. Donnerstag
Morgens bei der Caja Postal, hier gibt es angeblich nur Geld mit Checks. Camping bezahlt, für 22 Tage 17050 Pesetas bezahlt. Um 14 Uhr Abfahrt und bei leichtem Gegenwind und großer Hitze zügig bis Dolores. Hinter Almoradi gibt es gutes Essen für 1700 Pesetas. Oriola ist ein schöner Ort. Die Carretera local entlang dem Rio Segura ist dicht besiedelt. Um 19 Uhr fragt Elke kurz hinter Alquerias Bauern wo wir zelten können. Wir dürfen in ihrem Stall zelten. Die Familie hat 40 schwarzweiße Kühe und eventuell vier Töchter. Die jüngste spielt begeistert mit Sino und der fühlt sich wohl. Die umliegenden Zitrusplantagen sind Arbeitsplatz für Algerier.

25. Mai. Freitag
nachts schlecht geschlafen. Sino war unruhig. Es gab viele Nebengeräusche im Stall. Vor 9 Uhr Abfahrt ohne Frühstück und Waschen. In Murcia viel Verkehr und schlechte Straßen. Ca. 11 Uhr in Alcantarilla. Dort Fiesta mit vielen Musik und Tanzgruppen. Trotzdem ist es möglich durch die Vermittlung eines jungen Eisverkäufers einige Lebensmittel ein zu kaufen. In großer Hitze lange Pause hinter Alcantarilla. Sino werden die Haare geschnitten. Beginn der Bergstrecke. Ca. 17 Uhr bewölkt es sich. Wir bekommen in Restaurante gut Tapas zu essen. Essen wird bar bezahlt weil angeblich die Kreditkartenmaschine kaputt ist. Kurz vor Baños de Mula gezeltet.

26. Mai. Samstag
Morgens sehen wir eine Schafherde. Um 11 Uhr ist bereits eine knallige Hitze mit 35° Celsius im Bugger zu überstehen. In Niños de Mula werden wir von deutschem Spanienurlauber fotografiert. Er macht eine Bädertour. Fast fünf Stunden lang an kleinem Fluss die Hitze überstanden. In der Zeit Wäsche gewaschen und Sino gebadet. Um 19.30 Uhr in Bullas eingekauft. Elke ist ganz kaputt und mein Hintern tut weh. Landschaft wird grün, viele Getreidefelder, sehr schön anzusehen. Nachts leichter Regen.

27. Mai. Sonntag
um 9 Uhr aufwachen und um 11 Uhr weiter. Bei bedecktem Himmel, angenehmer Strecke und angenehmen Temperaturen bis Caravaca de la Cruz. Zum Teil vorbei an schönen und sehr hohen Baumalleen. Mittags sind in Caravaca de la Cruz wegen Kommunion sehr viele Gäste vor der Kirche. Sino versucht vergeblich spanische Kinder zum spielen zu animieren. Nach Serpentinen Pause auf Weg zwischen Wald und Feld. Nachmittags schweres Gewitter mit Regen. Bis Moratalla schöne Strecke. Dann die falsche Straße gefahren weil die Karte schlecht gezeichnet ist. Sechs Kilometer vor Calaspara bemerken wir unseren Irrtum. Wir sind ein bisschen frustriert und essen ca. 20 Uhr noch ein paar Bocadillos in einer Bar in Calasparra. Danach geht es im Regen und mit einem schreienden Sino zum zwei Kilometer entfernten Campinggelände. Total nervig.

28. Mai. Montag
Ungefähr drei Kilometer hinter Calasparra haben wir bei strömenden Regen und Gewitter auf öffentlichen Camping übernachtet. Bis Mittags haben wir gewaschen, gefrühstückt und eine Schulklasse erlebt. Auf mühsam ansteigender Straße in schlechtem Zustand bis Tazona. Vorher gibt es keine Ortschaften, nach der Karte hätten wir zwei Orte vorher passieren müssen. In Tazona gibt es gute Bocadillos und Salate zu essen. Zwischen Tazona und Socovos führt die Straße an Fluss und hübscher Brücke vorbei. Hinter Socovos auf Hügel mit Blick auf Ferez gezeltet. Schönes Wetter und Nachts ganz klarer Sternenhimmel.

29. Mai Dienstag
An Schlaufe eingerissenes Überzelt genäht. Um 12 Uhr steile Abfahrt nach Ferez. Schöne Blumen stehen am Straßenrand. Einkauf im Dorf, die Leute sind schlecht zu verstehen. Ein fremder Dialekt? Serpentinen rauf und runter durch teilweise schöne Landstriche. Wenig Vegetation und Aufforstungen bestimmen manchmal das Bild. Hinter Rio Segura pausieren wir unter einer großen Pinie. Wir kochen und Sino will immer auf die Straße. Stress. Elche de la Sierra ist ein öder Ort in einem öden Tal mit kargen Hängen. Wir fahren weiter bis 10 Kilometer vor Molinicos. Die Landschaft ist weitflächig, mit Schafherden und Getreidefeldern. Neben der C-415 unter Pinien gezeltet. Um 21.20 Uhr sind es noch 20° Celsius.

30. Mai Mittwoch
Tagsüber ist es heiß und wir finden bis Fuente de Higuera keinen Schatten. Überteuert in Bar eingekauft. Es gibt sonst kein Geschäft an der Straße. Ab Pto. de Peralejo mit 1140 Metern, steile Abfahrt, vorbei an bewaldeten Hängen. Unterwegs an Brunnen gewaschen. Dabei ist Sino in eine Öllache gefallen. Der Platz vor dem Brunnen ist total vermüllt. Öl, Windeln, Binden und vieles mehr ist zu sehen. Bei Camping Riomar, kurz vor der Brücke essen wir karg, als Zugabe gibt es lauten Fernseher und schreiende Kinder. Vor Pto. de la Crucetillas in Kurve mit Bergpanorama auf Holzplatz gezeltet.

31. Mai Donnerstag
Sino erklettert die Baumstämme sehr gut. Das Wasser aus dem Bach ist auch sehr gut. Um 11.45 Uhr fahren wir weiter. Wir brauchen ca. eine Stunde zum 1450 Meter hoch gelegenen Pto de Crucetillas. Eine sehr schöne Strecke. Dann eine rasante Abfahrt vorbei an Fluss und Mohnfeldern. In der Nähe von Ferienhäusern eine große grüne Schlange gesehen. Dann wieder Steigung. Pause in Wald mit Reis, Tütensuppe und Rösthaferflocken. Tortas ist ein ödes Dorf. Die Strecke wird ebenfalls öder. Blumen sind weniger prächtig. letzter Pass mit 1140 Metern. Dann wird die Straße ganz schlecht und noch eine Steigung. Kurz vor Vlanos ein schönes Panorama der zurückliegenden Berge. In Vlanos einkaufen und in Dorfkneipe erholt. Übernachtung auf Dorfpicknick.

1. Juni Freitag
Vlanos liegt direkt am Rande eines Plateau und ist einem kräftigen Wind ausgesetzt. Nach Alcaraz nochmals steile Abfahrt. Es ist um 12 Uhr sehr heiß. Elke holt mit Check 25000 Pesetas von Banco Banestto. Alcaraz ist ein schöner Ort mit vielen alten Ortsteilen. Interessanten kontaktfreudigen Fahradkellner getroffen. In Hitze und nach ca. 10 Kilometern ganz schlechten Straße sind wir Richtung Valdepeñas unterwegs. In Villanueva de la Fuente in einem schlechten und außerordentlich schmuddeligem Restaurant gegessen. Vor Villahermosa zwei schöne Schlangen auf Asphaltstraße gesehen. kurz hinter Infantes gezeltet. Sino spielt mit dem Ball und wirft mit Staub.

2. Juni Samstag
Nach Zwischenstopp in kleinem Dorf sind wir Mittags in Valdepeñas. Kurz vor dem Ortseingang ist die ohnehin schlechte Straße gepflastert. Eine einzige Katastrophe. Es ist sehr heiß. Der Campingplatz liegt nördlich von Valdepeñas an der N-IV. Im Eiltempo über die vierspurige Straße geschoben. Öde Landschaft rings um Valdepeñas. Die Landwirtschaft dominiert die Landschaft völlig. Rebstöcke, Valdepeñas ist bekannt für seinen Wein, werden so niedrig gehalten, das ein leicht erhöht konstruierter Traktor hinüber fahren kann. Natürlich rings um den Rebstock viel Platz zum Pflügen und anderen Maschineneinsatz. Hektar um Hektar breiten sich diese, in der knalligen Sonne, schattenlosen Pflanzungen aus. Viele Ameisen gibt es zu sehen, Wer weiß was das zu bedeuten hat. Öder Platz, ist nicht sehr einladend. Gewaschen und geduscht. In Valdepeñas sehr viel und günstig eingekauft. Um 19 Uhr ist es immer noch sehr heiß. Im Bahnhof die Zeiten für die Züge nach Madrid erfragt. Zug fährt täglich Nachmittags. 895 Pesetas für Camping bezahlt. Abends sind viele spanische Kinder auf dem Spielplatz. Im Restaurant ist viel Betrieb obwohl alles sehr teuer ist.

3. Juni Sonntag
Morgens ist Sino viel mit 25 Monate altem Mädchen aus Bilbao zusammen. Ihre Eltern sind jung, nett und alternativ aufgeschlossen. Mädchen läuft viel nackt umher. Um 14 Uhr den parc municipal gesucht, leider eine runtergekommene Anlage. Im Bahnhof das Gepäck aufgegeben und insgesamt 5100 Pesetas bezahlt. Die Hälfte für das Gepäck. Der Zug nach Madrid fährt auf immer voller Rumpelstrecke. Abends um 21 Uhr in Madrid. Räder sind komplett und heil. Hertz-Autovermietung ist geschlossen. Die Auskunft der Bahn RENFE ist katastrophal, unfreundlich und uninformiert. Die Nacht vor Hertz auf einem bewachten Parkplatz verbracht. Dort kommen mir folgende Gedanken. "Madrid, Bahnhof Charmartin, irgendwo zu finden im riesigen Ballungszentrum von Madrid. Wir wissen allerdings, wo zuerst suchen. Nach Madrid sind wir mit der Bahn gefahren um ein Auto zu mieten. Also um 18.04 Uhr in den Interurbano gestiegen. Die Fahrräder und der Bugger, beladen wie sie waren, zusammen ca. 100 kg kamen ins Gepäckabteil, lieblos in eine Ecke gedrängt. Und dann ging’s los. Geklappert und geschaukelt, zum Gott erbarmen, ich dachte, eine solche Strapaze erleben die Fahrräder auf dem letzten Feldweg nicht. ( Und wir auch nicht). Die Passagiere werden ebenso lieblos behandelt wie das Gepäck. Dreckige, zugige Waggons, ohne Abfallbehälter, aber mit Bocadilloverkäufer, befördern mit zum Teil 130 Km/h ( Spitze 140 Km/h) in drei Stunden die Menschen nach Madrid. Die meisten Leute steigen zu, nur wenige aus. Ganz Spanien scheint sich nach Madrid zu sehnen. Dabei sieht Madrid und Umgebung von Süden kommend wenig reizvoll aus. Viel Industrie. teilweise bewacht wie eine Festung, breiten sich rechts und vor allen Dingen links der Bahn aus. Sonntags gehen die Madrillenos aufs Land, wo sie herkommen. Oder sie suchen die letzten grünen Flecken fürs Picknick. Neben einer Ölraffinerie, oder was auch immer, es stank auf jeden Fall nach Öl, sitzen die Leute auf ihren Picknickbänken, sorgen dafür dass sich noch mehr Müll stapelt und saufen sich einen an. Spanier und Alkohol, untrennbar miteinander verbunden. Im täglichen Leben ist er in Form von Bier, Wein oder bei den Männern in ganz harter Form zu sehen. Einmal zu Beginn der Reise habe ich gesehen wie schwarzer Kaffee, heißer Brandy und viel Zucker mit einander zu einem Drink verarbeitet wurden. Ich glaube in Alcañiz war’s,... Es ist schon nach zwei Uhr, also Montag. Hertz-Autovermietung öffnet erst Montag um 9 Uhr, bzw. im Hauptgebäude um 8.30 Uhr. Wir hatten als wir in Valdepeñas losfuhren, die Möglichkeit außer Acht gelassen, das die Vermietung an Sonn- und Feiertagen Cerrado an ihre Tür stehen hat. Ich glaubte eine internationale Autovermietung in einer europäischen Hauptstadt rund um die Uhr geöffnet hat. Pustekuchen. Nachdem wir vergeblich im sonntäglichen Bahnhofsgewühl nach einer Orientierung suchten, wissen wir trotzdem über die Hotelpreise in der Umgebung des Bahnhofs Bescheid, 15000 p bis 25000 p die Nacht. Die Estacion del Norte liegt evtl. drei Stationen entfernt und ist Ausgangspunkt für die Züge nach Galicien. Aber bitte ohne Fahrräder die Metrobenutzung. An der Information weiß man nicht wann die Züge nach Galicien fahren. "Fragen Sie bitte dort", am anderen Bahnhof ist die gereizte Antwort der Auskunftsperson. Kursbücher scheint es nicht zu geben. Ätzend, so kann Spanien sein. Interessante, anregende und auch schöne Seiten der Spanientour wechseln in gnadenloser Härte und Regelmäßigkeit mit den ätzenden Charakterzügen Spaniens. Es gibt ja so oft etwas zu mäkeln... "

4. Juni Montag
One-way Vermietung von Transportern ist nicht möglich. Automaten Foto gemacht und nach Oldenburg geschickt. Gegenüber vom Bahnhof gut gefrühstückt. Avis hat gleiche Probleme wie Hertz. Mit dem Rad quer durch Madrid zur Estacion del Norte. Der Bahnhof ist nicht ausgeschildert. Das Personal genauso uninformiert und unfreundlich wie in Charmartin. Das Gepäck kostet 2800 Pesetas. Die Billets kosten 8200 Pesetas. Nachmittags schmutzige oder geschlossene Parks gefunden. Gute Pizza für 3100 Pesetas gegessen und eingekauft. Viel schlechte Luft und viele Menschen. Um 22 Uhr bei strömenden Regen aus Madrid abgefahren. Abteil mit Galicier geteilt, der deutsch sprach "Spanien viel Katastrophe".

5. Juni Dienstag
Gut in Pontevedra angekommen. Gepäck ist komplett und heil. Pontevedra hat eine schöne Altstadt. Für 1500 Pesetas gut gegessen. Tapas und andere Kleinigkeiten. 30000 Pesetas vom Automaten geholt. Ab Pontevedra entlang einer dicht besiedelten Küste bis Portnovo gefahren. Camping Camilas kostet 900 Pesetas. Eingekauft, Preise sehr hoch. Abends small-talk mit Campingbesitzern über Autopreise und schwarzes Geld in Spanien. Sind ganz nette Leute.

6. Juni Mittwoch
Bis 11.30 Uhr geschlafen und dann gefrühstückt. Den Markt gesucht, er ist klein und um 12 Uhr ist nichts mehr los. Portonovo ist ein Touristenort mit steilen Straßen. Sino wird in Strandbar von Frau mit Oliven und Wurst durchgefüttert. Am Strand ist es sonnig. Briefe geschrieben. Unser Sonnendach fliegt immer weg. Das Wasser ist nicht zu kalt. Sino mag keine Wellen. Wir bekommen einen Sonnenbrand. Sino geht spät schlafen.

2. Brief

Portonovo 06.06.1990

Nach drei Wochen Nichtstun unter Palmen bei angenehmen Temperaturen; nach drei Pässen mit 1100 Metern, 1440 Metern und 1140 Metern über dem mediter­ranem Meeresspiegel, und nicht zu vergessen fast dreißig Stunden Madrid, lie­gen wir in Portonovo in Galicien am Strand. Sino plätschert in seinem neu er­worbenen Sandeimer mit Wasser, schaut zwischendurch einigen Galiciern zu, wie diese zum Teil sehr ernsthaft und verbissen Schlagball spielen. Insgesamt geht es uns ganz gut. Eigentlich wollten wir mit dem Rad quer durch Spanien in den norden fahren, aber ab Valdepeñas, ca. 200 Kilometer südlich von Madrid wurde es für uns unerträglich heiß. Bis 11 Uhr vormittags und ab 20 Uhr abends hätten wir ohne Probleme fahren können, genau die Zeiten wo wir das Zelt ent­weder ab- bzw. wieder aufgebaut haben. Na denn, dachten wir, nehmen wir uns einen Mietwagen und düsen in den Norden. Pustekuchen. In Valdepeñas sagte man uns, dass es in Madrid den nächsten Mietwagen gibt, also nichts wie hin nach Madrid, mit einem klapprigen völlig vergammelten Bummelzug, d. h. drei Stunden Fahrt sind nicht zu viel (normalerweise). Das schlimmste an der Bahn ist das verrottete Schienennetz, richtige Schlaglöcher gibt es, wo anscheinend ein Stück fehlt, aber was soll's, solange kein Zug entgleist, und er nicht selber betroffen ist, wird kein Spanier sich darüber aufregen. Zurück zu unserem Mietwagen. Sonntags haben natürlich die Mietwagenfirmen geschlossen, so auch die Hertz Centrale am Bahnhof Charmartin. Weil es schon nach 21 Uhr war, Hotels zu teuer, ab 250 DM oder zu weit weg, schliefen wir vor dem Bahnhof. Sino sehr komfortabel in seiner Karre und wir etwas härter auf einem Kantstein. Die Nacht war lau und wir gut beschützt von Parkplatzwächtern und Polizisten, von denen sich keiner den Ärger aufhalsen wollte eine Kleinfamilie mit Gepäck wegzuschicken. Im Weggucken sind die Spanier meister, aber über die Spanier im Allgemeinen will ich mich lieber nicht auslassen. Auf jeden Fall ist es nicht möglich einen Transporter, Ford Transit etc. in Madrid zu mieten und in anderen Städten wieder abzugeben. Andere Autos sind zu klein für uns, da wäre es kein Problem. Für uns bedeutete diese Information, rauf aufs Rad und quer durch Madrid zur Estacion del Norte. Madrid hat drei Bahnhöfe und die spanische Bahn RENEF transportiert problemlos Räder und alles andere, aber nicht in Madrid. Vielleicht suchten wir uns die falsche Route durch die Stadt, aber das Eindrucksvollste an Madrid war die schlechte Luft, sehr, sehr schlecht war sie, die Luft; Zum Teil konnte man sie sehen und in den Lungen fühlen. Nachmittags gingen wir noch etwas spazieren, der schöne gepflegte Park des Königs war leider geschlossen und die anderen erreichbaren Anlagen ziemlich trostlos. Unter solchen Umständen sucht man sich ein gepflegtes Re­staurant, isst gut und fährt anschließend mit der Metro zu Mac Donalds, damit das immer größer werdende Kleinkind eine Runde spielen kann. Mac Donalds hat tatsächlich ein großes Spielzimmer mit kindgerechten, sicheren Spielgerä­ten. Bei Mac Donalds kann der Reisende ohnehin sehr sicher essen. Ständig hat ein, wie ein Sheriff ausstaffierter Sicherheitsbeamter die Lage im Griff. In Spa­nien gibt es ein ganzes Heer von Privatpolizei, in Banken, Geschäften und selbstverständlich auf Bahnhöfen laufen sie umher. In unserem Fall ersetzten sie auf der Estacion del Norte den auskunftgebenden Bahnangestellten und so er­reichten wir pünktlich unseren Zug nach Pontevedra / Galicien. Im Abteil saß noch ein Spanier der in Rheinhausen gearbeitet hatte, ganz gut deutsch sprach und in Bezug auf Spanien von "viel Katastrophe" redete. So kamen wir morgens gegen 9 Uhr in Pontevedra an, nahmen unsere Räder in Empfang, komplett und unbeschädigt. Langsam und gemütlich wollen wir, wenn wir uns von den letz­ten Tagen erholt haben, die Küste rauf und Richtung Osten fahren. Das Wetter ist seit fast vier Monaten hier in Galicien trocken. Was wollen wir mehr.

Freitag, den

Weitere zwei Tage sind vergangen und heute liegen wir am Strand. Gestern morgen hatte es etwas geregnet, doch im Laufe des Tages wurde es wieder schön. Wir schlafen hier immer sehr lange (bis 11Uhr) und sind trotzdem immer noch müde. Vielleicht sind das die Auswirkungen der anstrengenden Zugfahr­ten. Sino spielt mit Jörg im Sand und ist ganz zufrieden. Am Strand fühlt er sich meistens ganz wohl. Hier kann er auch hinfallen ohne das es sehr weh tut. An­sonsten hat er nämlich schon eine ganze Menge Wunden vom Hinfallen; ganz besonders an den Beinen. Er ist jedoch nicht sehr wehleidig. Nur wenn er sich ganz toll weh getan hat weint er und wenn er müde ist.

Montag werden wir weiterfahren. Uns hoffentlich auch ganz viel Zeit lassen. Von Elche nach Valdepeñas mochte Sino zuletzt nachmittags nicht mehr gerne in seiner Karre sitzen. Ein Zeichen, dass wir wieder mal eine längere Pause ein­legen müssen. Die Tage hier werden hoffentlich reichen, ansonsten müssen wir immer nur ganz wenig fahren und lange Pausen am Strand machen. Mir fällt nichts mehr ein! Uns geht es meistens ganz gut miteinander, abgesehen von den Stress-Nervereien, die mal größer und mal kleiner sind und immer wieder zu Streitereien führen. Aber auch die haben wir bisher immer wieder auflösen kön­nen.

Unser Spanisch ist auch noch nicht besser geworden. Vielleicht sind wir hier mehr motiviert es zu lernen und einen Ort zu finden, an dem es möglich ist ei­nen Spanischkurs zu belegen. Mal sehen! Die Leute vom Campingplatz sind je­denfalls sehr nett und sehr nett und sehr bemüht sich verständlich zumachen. Nur bei uns fehlen häufig die Vokabeln. Da heißt es lernen, lernen. So das wär’s erst mal wieder mal. Bis demnächst. Elke, Jörg, Sino schläft, er hat den ganzen Vormittag mit Edgar gespielt, bzw. war mit ihm zusammen. Edgar ist zehn Monate alt, hat braune Augen und Haare, vier Zähne oben, vier Zähne unten im Mund mit dem er ganz schön grinsen kann. 13 Kilogramm oder etwas schwerer ist er. Sino bringt es vielleicht auf 11 Kilogramm. Sprechen können beide noch nicht. Dafür redet Monica, Edgars Mutter, die zusammen mit ihrem Mann den Campingplatz betreibt, gerne. Falls wir je Spanisch sprechen werden, hat Moni­ca ihren Teil dazu beigetragen. Bis bald.

7. Juni Donnerstag
Sino wacht spät auf. Wäsche waschen, Fahrräder putzen und zum Schluss den protestierenden Sino unter die Dusche stellen. In der Campingbar gibt es nichts zu essen. Vormittags Regen, am Nachmittag klart es auf. Spiritus gesucht und gefunden. Die Flasche war bereits angebrochen. Am Hafen stehen viele Touristenbusse. In der Fischhalle gibt es viel zu sehen. Der Fischfang wird deklariert und die Rochen mit Stahlbürsten abgeschrubbt. Es ist Frauenarbeit wie das Flicken der Netze.

8. Juni Freitag
Es ist sonnig mit Nordwind. Mittags gehen wir zum Strand, das Wasser ist kalt. Elke meint es sei warm. Rad und Hänger abgewaschen. Sino hat im Meer gebadet und viel anschließend nicht unter die Dusche. Also schütten wir Wasser über ihn. Der Wind wirft die Räder um.

9. Juni Samstag
Ohne Frühstück zum Markt und dort Sauerteigbrot gekauft. Am Hafen ist nichts los, dort gefrühstückt. Einkaufen und Wäsche waschen. Lackschäden ausgebessert. Am Strand sind viele Leute. Ein Spinnerclan mit einem Marinejet macht viel Lärm und Showspektakel. Sino’s Orangenball ist spurlos verschwunden. Das Wasser ist kalt und Sino spielt mit anderen Kindern. Abends mit Ane telefoniert und Leuten eine Zeltstange ausgeliehen.

10. Juni Sonntag
Sino spielt mit Edgar vom Campingplatz. Mittags telefonieren wir mit Oldenburg und Kreuztal. Ein unterhaltsamer Vormittag mit Monica. Der Himmel ist bedeckt mit ein wenig Wind. Brief zu Ende geschrieben und gekocht. Sino ist gegen Abend etwas durcheinander. Wir sitzen in der Bar und schauen uns einen US- TV Film mit Elisabeth Taylor und anderen bekannten Schauspielern an. Die spanische Synchronisation macht jeden Film kaputt.

11. Juni Montag
Für 1260 Pesetas Briefmarken gekauft, dazu viermal 14 Kopien und 20 Umschläge besorgt. Mit den Zutaten nachmittags die Briefe fertig gemacht, Fotos eingesteckt und gegen 19 Uhr alles bei der Post, plus Postkarten in den Kasten gesteckt. Es ist sehr heiß und Sino setzt sich Mittags in die Schüssel zum Planschen. Die Fahrräder sind fertig gepackt.

12. Juni Dienstag
Ausrüstung zusammen packen und von Edgar und Monica verabschiedet. An der Küste fahren wir bis N.S. de la Lanzada. Dort steht eine sehr alte kleine Kirche und verschiedene Wegkreuze. Am Strand Pause gemacht. Es ist sehr windig. Abends sind wir kurz hinter Cambados. Vorher haben wir immer wieder Abstecher an das Wasser versucht. Die Küste ist dicht besiedelt. In einem Kiefernwäldchen an einer Muschelzuchtanlage zelten wir mit Blick aufs Meer.

13. Juni Mittwoch
Mittags in Cambados gefrühstückt und die Altstadt gesehen. Sie ist zum Teil noch gut erhalten. In Vilagarcia de Arouxa holt Elke 30000 Pesetas vom Geldautomaten. Vilagarcia macht keinen schönen Eindruck auf uns. In der Nähe von Abalo machen wir in einem kleinem Schlickhafen Pause. Die Berge sind wenig bewaldet, kahle Stellen dominieren. In Cortoria von Tankstelle aus mit Oldenburg telefoniert. Den Rio Ulla über Brücke überquert und dann Richtung Rianxo. Mehrere steile Anhöhen werden passiert bis wir in Rianxo für 900 Pesetas auf dem Camping unterkommen. Sino fällt von einer Rutsche und tut sich sehr weh. Trotzdem gut gegessen.

14. Juni Donnerstag
Wäsche waschen. Sino ist immer bei den Leuten vom Campingplatz. Vielleicht wegen Essen? Mit Oldenburg telefoniert. Am Strand Sino mit einem Eimer Wasser abgespült. Gut gegessen, es gab Fisch mit Patatas für 2500 Pesetas. Tags ist es sonnig und am Abend ist Elke streitsüchtig.

15. Juni Freitag
Angelika und Jerry wollen ab 27. / 28. August in San Vicente sein. Mittags los und auf der C-550 Richtung Ribera. Etwas drückendes Wetter aber sonnig. Bis Boiro ist die Strecke stark hügelig, dann wird sie etwas flacher. In Pobra do Caramiñal machen wir Pause, hier gibt es viel Gesindel. In Ribera kaufe ich mir für 1100 Pesetas Fahrradhandschuhe. Durch den Ort geschoben und gefahren. Ribera ist teilweise sehr ungepflegt. Das Bankenviertel dagegen sehr proper. Am Hang sind Slums zusehen. Hinter Oleiros im Wald gezeltet. Ein schöner Platz, in der Nähe ist ein Glockenspiel zuhören.

16. Juni Samstag
Gemütlich gefrühstückt und um 12.30 Uhr weitergefahren. Die Strecke ist jetzt schöner, natürlicher, weniger touristisch wie am Vortag. Die schmale kurvenreiche 'Straße führt lange Strecken durch Wald. Es sind nur wenige Häuser zu sehen. Ab Tarrio haben wir einen wunderbaren Blick auf den Atlantik und die Küstenlinie mit ihrem kilometerlangen Sandstrand.  Rechts der Straße stehen wenige steingraue Häuser, die nichts mit der mediterranen Architektur der Ostküste gemein haben. Helligkeit und Leichtigkeit sind nicht die vorherrschenden Bauelemente. Vieles deutet auf ein stürmisches, regenreiches Klima hin. Wir biegen von der Straße ab, um einem kleinen Feldweg Richtung Sandstrand zu folgen. Nach mehreren Windungen stellen wir fest, das wir nur mit Mühen einen Zugang zum Strand finden können. Wir drehen um und fahren weiter auf der Küstenstraße bis kurz vor San Pedro de Baroña. Wir fahren wiederum auf einer kleinen kurvenreichen Straße Richtung Meer. Tatsächlich erleben wir zweihundert Meter hinter dem letzten festen Haus, einer kleinen Bar, einen faszinierenden Ausblick auf einen kleinen Naturhafen. Zehn, vielleicht zwanzig kleine offene Fischerboote, farbenfroh gestrichen liegen an Land oder dümpeln im ruhigen Wasser der von Felsen umschlossenen Bucht. Die langanrollende Brandung des Atlantiks wird von zahlreichen der Bucht vorgelagerten Felsen abgefangen. Aus Portugal, Aveiro  kenne ich die langen offenen Fischerboote mit ihrem hochgeschwungenem Bug, die Boote, die wir hier sehen, nehmen sich dagegen wie kleine Nussschalen aus. Das die Boote Arbeitsplätze für die Fischer sind, sehen wir an den Geräteschuppen und den übrigen Utensilien, die einen Fischereihafen auszeichnen. Rechts auf dem höchsten Felsen, der die Bucht umschließt, steht eine Gedenkstätte, vielleicht ist es  auch ein Altar, der den Fischern und ihren Schutzheiligen geweiht ist. Von dort oben sehe ich, von gelegentlichen Wolkenbänken verdeckt, die Punta Carreiro. Sechs Kilometer liegen  zwischen diesem kleinen Naturhafen und dem nördlich gelegenem Punta Carreiro. Die zwanzig Kilometer ins Land reichende Ria de Muros e Noia liegt zwischen diesem Küstenabschnitt. Für uns Radfahrer ein unüberwindliches Hindernis. Auf dem Weg zurück zur Straße wollen wir in der kleinen Bar unseren obligatorischen Kaffee trinken. Die Bar hat keine Kaffeemaschine, ein Novum in der spanischen Bargeschichte.  Das Wetter ist bedeckt und schwül. Sino spielt mit den Kindern aus der Bar. In Porto de Son kaufen wir ein und bekommen endlich unseren Kaffee zutrinken. Porto de Son ist ein reizender kleiner Fischerort, der gleichzeitig das geografische Schlusslicht eines Feriengebietes ist, das sich bis Noia erstreckt. Bei einsetzendem Nieselregen spazieren wir zum Hafen. Die Fischereifahrzeuge die hier festgemacht haben sind deutlich größer und geschützter wie die kleinen offenen Boote aus dem Naturhafen. Der Gezeitenstrom lässt die Schiffe auf Land fallen. Im einsetzenden Regen fahren wir noch bis zum Camping Gaviotas. Völlig durchnässt bauen wir das Zelt auf und vertreiben uns die restliche Zeit in der Bar. Der Camping ist Teil eines großen Komplexes mit einer Diskothek, einem Hotel und Restaurant. Die Übernachtung kostet 560 Pesetas. Ab Porto de Son wird die ohnehin nicht gute Straße schlecht. Es sind viele Ferienhäuser zu sehen. Abends klart es etwas auf.

17. Juni Sonntag
Ab 8 Uhr Wäsche waschen und frühstücken. In der Bar gibt es Kaffee. Elke und Sino sind am Strand. Bis 14.30 Uhr ist alles gepackt, dann fahren wir Richtung Noia. Die Straße ist sehr schlecht. In Noia ist der Markt noch offen, aber es wird bereits abgeräumt. Ab Noia wird die Straße gut und wir sind einem z. T. unangenehmen Wind ausgesetzt. Es ist sonnig mit Wolken. In Serra de Outes essen wir schlecht. In Richtung Muros ist wenig Verkehr zusehen. Kurz vor Muros zelten wir auf einer Wiese. Die Küste ist steil abfallend mit Sandstränden. Sino benutzt seinen Duplo-Laster zum spielen. Er fährt mit ihm und macht dabei Geräusche.

18. Juni Montag
Nachts Regen der den ganzen Tag anhält. Mittags frühstücken wir in Muros. Eine Alte Stadt mit viel Atmosphäre und Touristen. Gut erhaltene Altstadt. Hinter Muros führt eine schmale, schlecht Straße am Meer entlang. Wir sehen eine Gruppe von sieben oder acht Tümmlern im Meer. Auf dem Campingplatz vor Louro bleiben wir für 1000 Pesetas die Nacht. Abends treffen wir eine englische Familie aus Plymouth. Sie haben ebenfalls einen Bugger dabei. Barretos Bikes laden uns zu Whisky und Bier ein.

19. Juni Dienstag
Im Verlauf des Tages lockert die Bewölkung auf. Vormittags wird gewaschen und das Zelt gelüftet. Mittags mit Sino am Strand mit Felsen und Sand. Ein schönes Panorama zum Meer und Sino findet eine Schaufel. Vormittags hat Sino viel Pech mit hinfallen. Nachmittags einkaufen in Louro und Elke lässt sich die Haare schneiden. Zurück auf dem Platz ist unser Zelt durchwühlt. Das Mädchen vom Camping wollte mit Sino spielen und brachte unser Zelt durcheinander. Wir mussten uns erst schlau fragen, sonst hätten wir nie etwas erfahren. Typisch spanisch.

20. Juni Mittwoch
Beim Frühstück verschluckt sich Sino an einem heißen Ei. Mittags fahren wir weiter. Die Sonne scheint und es ziehen Wolken am Himmel. Ab Louro sehen wir auf mehreren Kilometern verbrannte Erde. Bis in die Berge hoch sind die Bäume verbrannt und verfaulen nun. Ansonsten ist die Küste schön. Vor Cornota verbringen wir den Nachmittag am Strand. Sino spielt mit Duplos und kleine Booten. Für 1000 Pesetas gibt es in kleinem Restaurant Kotletts und Kalamaris. Ab Quilmas macht die Küste einen vergessenen Eindruck. Eine sehr felsige Küste. In La Ameijenda hüllt eine Kokerei den ganzen Ort in Ruß. Sehr spät schlagen wir hinter Cée unser Zelt auf einer schönen Wiese auf.

21. Juni Donnerstag
Nachts beginnt es zu regnen. In einer Trockenphase bauen wir das Zelt ab und fahren im Regen los. Nach 15 Kilometern nimmt uns ein Lieferwagen mit. Elke und Sino sitzen beim Fahrer und ich hocke mit dem Gepäck im rutschigen Laderaum. Nach ungefähr 25 Kilometern werden wir an einer Raststätte rausgelassen. Dort essen wir für 2200 Pesetas viel Fleisch. Im Regen weiter bis Carballo. Die Landschaft ist sehr grün. In Carballo 30000 Pesetas von der Banco Pastor abgehoben. Hinter Larcha zelten wir auf einer Wiese. Die Straße ist ab Carballo rechts und links bebaut und dahinter kommen Bäume und Felder. Die Temperaturen betragen 17° Celsius.

22. Juni Freitag
Bewölkt aber trocken. Bis Arteijo befahren wir die C-552. Dann auf einer stark ansteigenden Straße nach Suevos. Uns bietet sich ein schöner Blick auf viel Industrie. Für 1000 Pesetas essen wir gut bei Spaniern, die früher in der Schweiz gearbeitet haben. Mit dem Rad durch La Coruñas schöne Altstadt und weitere neun Kilometer bis Bastia Guerra, wo der Camping 840 Pesetas kostet und wir einen imposanten Blick auf die Bucht von La Coruña haben. Spaziergang am Strand mit gewaltiger Brandung.

23. Juni Samstag
Vormittags zum Markt. Es herrscht schwüles Wetter, ab Mittag mit Regen. In Santa Cruz die Bucht mit dem Castel besucht. Abends wird überall San Jaume gefeiert. In ganz Spanien werden an diesem Festtag Sardinen geröstet.

24. Juni Sonntag
Wir schlafen lange. Am Strand weht uns trotz Sonne ein kühler Wind ins Gesicht. Sino ist ganz begeistert von den Wasserpfützen. Weil er vor Kälte bibbert, gehen wir zurück zum Zelt. Dort ist es sehr warm. Wäsche waschen und abends in der Bar Fußballspiel zwischen BRD-
NL gesehen. Mit Oldenburg telefoniert.

25. Montag
Abreise. Bis Mittags bewölkt, dann Regen. In Santa Cruz sind wir bereits nass. Einkaufen. Auf neuer schlechter Straße fahren wir nach Sada durch hübsche Landschaft. in Sada essen wir für 1560 Pesetas und gucken uns den Fischereihafen an. Bis zur Nationalstraße ist es sehr hügelig. In Playa de Miños verbringen wir den Nachmittag am Strand. Sino spielt mit Mädchen. Abends gehen wir in die Strandbar und schlagen kurz vor dem Dunkel werden unser Zelt auf.

26. Juni Dienstag
Vormittags fordert uns die Polizei auf nicht am Strand zu zelten. Der Barmann von der Bar hatte drei Jahre in Düsseldorf gearbeitet. Er erzählt, das die Provinzregierung in la Coruña das Zelten am Strand verbietet. Das Dorf ist dagegen. Playa de Miños ist ein schöner kleiner Ort mit riesigen Bäumen. Hinter Pontedeume essen wir am Strand. Das Wetter ist bedeckt. Bis Fene starke Steigungen. Kurz vor Vista Alegre zelten wir auf einer Wiese. Der Besitzer wünscht uns eine gute Nacht.

27. Juni Mittwoch
Vormittags sonnig mit Wolken. Nachmittags zunehmende Bewölkung mit kühlen Temperaturen. Wir passieren eine meist langweilige Mittelgebirgslandschaft. Ungefähr 15 Kilometer vor Ortiguera wird’s wieder interessanter mit dichtem Grün, Wäldern und interessanteren Häusern. Die Getreidespeicher sind seit la Coruña aus Holz. Vor der Bucht und der Ortschaft Mera genießen wir eine drei bis vier Kilometer lange Abfahrt. Zwei Kilometer vor Ortigueira zelten wir auf einer Wiese neben Urwald.

28. Juni Donnerstag
Ohne frühstücken dauert das Einpacken eine dreiviertel Stunde. Um 11 Uhr sind wir in Ortigueira. Wir besuchen den Markt und kaufen unter anderem Öl-Spray, eine Zange, E.-Musik für Sino, Latschen und einen Ball. In Porto de Espasante verbringen wir den Nachmittag. Der ruhige Ort mit aufgeschlossenen Einwohnern hat einen kleinen Hafen und viel Strand. Nach mehreren Steigungen fragen wir ein Bauernehepaar, ob wir auf ihrem z. T. abgeerntetem Feld zelten dürfen. Wir dürfen und haben einen Blick aufs Meer. Der Bauernhof ist durch den Straßenneubau zerschnitten. Abends Streit mit Elke.

29. Juni Freitag
Es ist bewölkt mit zeitweise Regen. In Vicedo gibt es Kaffee und Bocadillos. Auf alten Häusern stehen häufig spitze Steine am Dachrand als Dachbegrenzung. Der Strand von San Ramon ist sehr schön. Es gibt einen kleinen Fluss und Strand mit Felsklippen. Wir unterhalten uns mit freundlichem niederländischem Ehepaar. Sie fahren einen interessanten Ford Transit mit Autogas und Bootseinrichtung. In Vivero gehen wir für 795 Pesetas auf den Campingplatz. Wir essen am Strand, mit 2400 Pesetas teuer aber gut. Nachts etwas Regen.

30. Juni Samstag
Ohne Frühstück nach Vivero. Für 4800 Pesetas eingekauft. Stelle am Rad die Schaltung ein. Eine Speiche ist gebrochen. Nach Reparaturversuch ist der Zahnkranzabnehmer gebrochen und das ganze Rad schief. Viel Wäsche gewaschen. Elke und Sino am Strand. Sino will zwischendurch immer abhauen. Waldbrand über Vivero, ansonsten grüne Berghänge.

1. Juli Sonntag
Es ist sonnig. Am Strand tritt Sino in eine Muschel und schneidet sich den linken Fuß auf. Am Nachmittag sind im Park viele spanische Familien. Es ist langweilig. Abends treffen wir einen schweizer Radfahrer auf dem Platz. Die Kinderliebe der spanischen jungen Frauen ist zum Teil nicht mehr normal. Anscheinend wird irgend ein Defizit kompensiert. Sie sind sehr aufdringlich.

2. Juli Montag
Vormittags das Hinterrad nach Vivero zum Einspeichen gebracht. Bis Mittwochnachmittag soll es fertig sein. Filme sind noch nicht fertig. Für Sino einen billigen Plastikeimer gekauft. Er ist sofort kaputt. Nachmittags sind wir am Strand und essen einmal mehr schlecht und teuer. Spanische Schokolade ausprobiert und mit Oldenburg telefoniert.

3. Juli Dienstag
Die Fotos abgeholt, sie kosten 2800 Pesetas und es gibt einen Film gratis. 30000 Pesetas von der Telebanco abgehoben und gut eingekauft. Viveros Straßen haben eine Atmosphäre wie in der Kirche. Abends ist ein schwedisches Paar mit einem Tandem auf dem Platz, sie sind Richtung Süden unterwegs.

4. Juli Mittwoch
Vormittags am Strand, es ist sonnig mit Südwind. Dadurch ist viel Sand in der Luft. Nachmittags das Hinterrad abgeholt, es kostet 800 Pesetas . Die Spanier sind unpünktlich. Mit den Rädern in der Stadt eingekauft. Fußballspiel GB-RFA. Wir haben nette Nachbarn aus La Coruña. Sie machen Fotos. Small Talk mit Kindern vom Platz.

5. Juli Donnerstag
Nachts und Vormittags Regen. Farbfilm abgeholt, die Nikon funktioniert gut. Vivero hat viele verfallene Stadtteile. Wir schenken Mädchen auf dem Platz ein Foto von Sino, sie davon ganz begeistert.

6. Juli Freitag
Einkaufen, Spiritus suchen und finden. Wir bekommen Fische geschenkt. Elke nimmt sie aus und brät sie. Sino mag die Fische. Das Wetter ist gemischt. Wir bekommen von Spanier Fotos von Sino geschenkt und unterhalten uns mit einem Paar aus Remscheid. Sie ist Spanierin.

7. Juli Samstag
Das Wetter ist gut. Wir stellen Sino von Dulces auf Erdnüsse um. Kiki und Mimi aus Santiago lernen wir näher kennen. Ich helfe Nachbarn beim Zeltaufbau. Alle Leute gucken sich das Fußballspiel England-Italien.

8. Juli Sonntag
Das Wetter ist gut. Am Nachmittag sind wir am Strand. Sino hat viele Spielgefährten. Wir waschen und packen. Kiki erklärt uns ein Kartenspiel. Das Fußballspiel Deutschland-Argentinien ist für alle Spanier wichtig. Bis ein Uhr unterhalten wir und mit Mimi und Kiki.

9. Juli Montag
In Vivero holen wir uns 30000 Pesetas von der Telebanco. Das Wetter ist schlecht und um 14.50 Uhr fahren wir los. In den ersten Bergen kommen wir in den Regen. Anschließend fahren wir bis Foz unter den Wolken und bleiben trocken. Es weht ein starker Wind vom Meer. Auf dem Camping cai vota zelten wir für 700 Pesetas. Der Camping hat einen schönen Spielplatz. Die Straße nach Foz ist sehr schmal mit z. T. viel Verkehr.

10. Juli Dienstag
Vormittags ist der Himmel bedeckt und wir haben starken Gegenwind. Bis Reinante fahren wir am Meer entlang. Dann auf der N-634 bis Ribadeo. Reinante hat viele schöne alte Häuser. Nachmittags ist es sonnig und windig. Bis zur Brücke in Ribadeo ist die Straße in einem schlechten Zustand und die Autofahrer fahren undiszipliniert. Anschließend ist die Straße in einem guten Zustand.

11. Juli Mittwoch
In Tapia de Casariegeo ist es auf dem Campingplatz Playa de Tapia sehr windig. Mittags sind wir am Strand. Bei Ebbe ist er sehr breit und schön. Das Wasser ist sehr kalt. Anschließend besuchen wir Tapia. Der Ort hat einen schönen Hafen und alte Gebäude, aber auch viele neue Häuser. Mit Oldenburg telefoniert. Sino rutscht alleine. Um 2.40 Uhr in der Nacht fängt in Tapia eine Musikgruppe an zu spielen und es ist sehr laut.

12. Juli Donnerstag
Mittags fahren wir bei leicht schwülem Wetter Richtung Lagar. Die Straße am Fluss entlang lässt sich gut fahren. Lagar hat nur zwei Gebäude. Wir fahren durch viel Wald. Zwischen Lagar und Rozadas kaufen wir ein. Dort beginnt eine sehr starke Steigung. Abends in Rozadas zelten wir hinter der Dorfkneipe auf einer kleinen Wiese. Rozadas ist ein kleiner schöner Ort. Abends zieht viel Nebel über die Berghänge von einem Tal ins andere. Ein schöner Sonnenuntergang hinter Wolken.

13. Juli Freitag
Um neun Uhr scheint kurz die Sonne, dann gibt es wieder viel Nebel. Bis zum Alto de Penonta, 780 Meter hoch, haben wir vier Kilometer starke Steigung. Die 5,2 Kilometer nach Boal geht es steil bergab. Wir sehen uns den Ort an. Parallel zum Fluss Navia und seinen Stauseen verläuft die C-644 rauf und runter. Um 17 Uhr ziehen viel Donner, Gewitter und Regen zwischen den Tälern hin und her. Bis kurz vor Navia fahren wir im Regen. Rechts sehen wir z.T. sehr hohe Berge. Navia ist ein Ort ohne Charme. Auf der N-634 geht es bis Villapedre. In Puerto de Vega sind wir die Zeltnachbarn einer sehr netten belgischen Familie. Der Platz kostet 7oo Pesetas und wir essen im Restaurant.

14. Juli Samstag
Es ist bewölkt aber trocken. Wir kaufen in Vega ein. Ein Ort mit kleinem verwinkeltem Hafen. Kurz hinter Vega will Sino nicht mehr. Wir machen eine längere Pause bei einer Kirche. Bis zur Nationalstraße geht es über Hügel auf und ab. Sehr anstrengend. Auf der N-634 fahren wir zügig bis kurz vor Luarca. Der rechte Reifen vom Anhänger hat ein Loch und muss geflickt werden. Camping Taurin ist relativ klein und ein bisschen alternativ. Sino spielt mit einer Schubkarre und wir waschen Wäsche.

15. Juli Sonntag
Drückendes Wetter. Ich fühle mich schlapp und schwindelig. Der Strand liegt in einer kleinen schwer zugänglichen Bucht und ist voller Algenschlamm. Meine Radhose wird mit Fensterleder geflickt. Ich trinke viel Cola. Abends sitzen wir in der Bar. Der Platz ist sehr spärlich ausgeleuchtet. Für zwei Nächte bezahlen wir 1410 Pesetas.

16. Juli Montag
Es ist sonnig. Mittags fahren wir nach Luarca. Der Ort liegt tief in eine Bucht eingebettet und macht einen hektischen Eindruck. Wir besuchen eine Fischauktion und sehen insgesamt elf Radfahrer mit Gepäck. Bei Gegenwind fahren wir auf der schmalen Nationalstraße, die wir uns mit vielen Lkws teilen müssen, bis Canero. Dann geht es an der tief eingeschnittenen Küste auf der N-632 mit viel bergauf und ab weiter. In Restaurant schlecht gegessen und in Soto de Luña eingekauft. Hinter dem Ort zelten wir auf einer Wiese. Elke hat nachts Durchfall.

17. Juli Dienstag
Erst bewölkt, später wird es sonnig. Bis Soto de Barco schlängelt sich die Straße mit vielen Taleinschnitten die Küste entlang. In Soto de Barco machen wir eine längere Pause und kaufen ein. Vormittags hatten wir uns in Playa S. Pedro einen hauptsächlich von Spaniern belegten Campingplatz angeschaut. Ein älterer ergrauter Spanier, selber Radfahrer, wünschte uns mit Handschlag eine gute Fahrt. Vor Piedras Blancas zelten wir auf einer Wiese.

18. Juli Mittwoch
Morgens wünschen uns Bauersfrauen einen guten Appetit. In Pedras Blancas besuchen wir den Markt. Bereits Einzugsgebiet von Aviles. In Aviles sehen wir viel Industriedreck, der Ort ist ziemlich runtergekommen. Bei starkem Gegenwind fahren wir Richtung Luanco. In Bañugues ist der Ia Campingplatz eine Katastrophe. Der breite flache Strand ist voller Leute. Abends zelten wir auf dem Camping El Señoso, Kategorie 2a. Die Bar ist sehr billig.

19. Juli Donnerstag
Vormittags ist es sehr schwül und heiß. Wäsche waschen. Mittags am Strand sehen wir viele Algen und schleimiges Wasser. Abends machen wir einen Spaziergang an der Steilküste rund um den Ort. Es gibt dort sehr schöne Wiesen, die bis an die Abbruchkante der Steilküste heranreichen.

20. Juli Freitag
Es ist heiß und schwül. Wir frühstücken in der Bar Brot und Butter. Es schmeckt nicht. Motorradfahrer aus Süddeutschland lästern über Radfahrer, bis sie erfahren was wir machen. In Perlora Thunfischempenada gekauft. Die Leute aus dem Laden sind sehr freundlich. Radreisende kommen uns den Berg hoch keuchend entgegen. Der Westen von Gijon ist hässlich mit viel Industrie. Die Strandpromenade ist voller Menschen. Richtung Somió machen wir auf einer Wiese Pause. In der Gegend stehen zahlreiche Villen. Um 19 Uhr ist es noch sehr heiß. Auf der Nationalstraße herrscht viel Verkehr. Nach zehn Kilometer Umweg erreichen wir endlich den Campingplatz Playa España. Abends sitzen wir in der Bar.

21. Juli Samstag
Playa España liegt zwischen zwei Berghängen und hat zwei steile Zufahrten. Der Platz wird gut gemischt von Spaniern und Ausländern besucht. Viele Kurzzeitwochenendurlauber sind da. Unsere niederländischen Nachbarn aus Amsterdam waren vor zwei Jahren mit Rad und Kind in Frankreich.

22. Juli Sonntag
Sehr heißes Wetter mit wenig Schatten. Wäsche waschen. Am Strand weil Sino sonst ungeduldig wird. Der Strand ist gerammelt voll mit Besuchern.
Abends sitzen wir bei den Niederländern. Sino macht immer brrrmmm wenn er mit Autos spielt oder auf uns sitzt. Zum Teil mit Kickstarter treten, wie beim Motorrad.

23. Juli Montag
Es ist sonnig und wir verbringen den Tag am Strand mit dem kleinen Fluss. Abends schauen wir uns den Sonnenuntergang an. Es sind verschiedene Radfahrer auf dem Platz.

24. Juli Dienstag
Das Wasser ist bei Flut ziemlich trüb und dreckig. Bei Niedrigwasser kann man sehr schön baden, weil keine Steine stören. Tags ist es sonnig.

25. Juli Mittwoch
Nachts und morgens gewittert es ohne Regen. Wir verlassen Playa España. In Villavicioca heben wir 30000 Pesetas ab. Nachmittags messen wir am Alto de buenos Aires ca. 40° Celsius in Sino’s Bugger. Das ist viel zu heiß. Auf einer schönen Wiese machen wir Pause. Bis Colunga ist die Strecke bergig. In Colunga kaufen wir ein und fahren dann noch einen Kilometer Richtung Lastres zum Campingplatz Casta Verde der nicht schön ist.

26. Juli Donnerstag
Gegen 12 Uhr verlassen wir die Sardinenbüchse. Sino will immer auf das Spielmotorrad vor der Reception. Wir gucken uns Colunga an und kaufen ein. Sino bekommt einen rotweißen Bristolbus von 1936. Auf der C-637 fahre wir, unterbrochen von mehreren Pausen zum Mirador Fito. Wir haben ein Treffen mit mehreren Ziegen und viele sehr schöne Ausblicke auf die Küste. Neben dem Ausflugsplatz zelten wir.

27. Juli Freitag
Der Mirador Fito ist 654 Meter hoch. Um 12 Uhr ist es 18 ° Celsius kühl. Der Blick auf das Meer und die Berge wird durch Dunst getrübt. Mit Sino klettere ich zu einem alten Gebäude gegenüber von dem Aussichtsturm. Ich kann nicht erkennen ob es eine alte Kirche oder ein Ziegenstall ist. Im Regen haben wir eine Abfahrt, die durch eine schöne Landschaft führt. In Arriondas kaufen wir ein und machen eine Kaffeepause. Im strömenden Regen fahren wir nach Cangas de Onis. Die Strecke ist sehr gut zu fahren. Vier Kilometer hinter Cangas de Onis gehen wir auf den Campingplatz. Dort treffen wir Mountainbiker aus der Mannheimer Gegend. Die ganze Nacht regnet es.

28. Juli Samstag
Vormittags gehen wir in Cangas de Onis einkaufen und unternehmen einen Stadtbummel. Sino rutscht von der Wippe ab und bekommt eine dicke Lippe. Wolken am Himmel, aber die Sonne scheint. Auf der romanischen Brücke finden wir es ohne die rechte Atmosphäre ziemlich langweilig. Nachmittags ist Wäsche waschen angesagt. Elke ist sehr schlapp und Sino wird abends beim Salat essen nervig, vorher war er gut gestellt.

29. Juli Sonntag
Bei sonnigem Wetter zu Fuß am Fluss entlang wandern. In der Nähe des Campingplatzes liegt ein alter Ort. Über Wiesen und eine alte Brücke kommen wir zu einer versteckten Stelle am Fluss. Es gibt viele Libellen. Wir baden kurz. Sino macht kaltes Wasser Spaß. Zurück bereiten wir die Abfahrt vor.

30. Juli Montag
Es ist sonnig und heiß. Mittags fahren wir los. In Onis machen wir neben einer Kirche unter schattigen Bäumen Pause. Bis Prado ist die Straße mühsam ansteigend. Den Rest bis Arenas haben wir eine steile Abfahrt mit Blick auf die Picos de Europa und den Narranjo de Bulnes mit über 2500 Metern. Eine Kilometer hinter Arenas campieren wir für 1060 Pesetas auf einer schönen Anlage mit Bäumen und Terrassen.

31. Juli Dienstag
Wir kommen spät los. Vorher noch mit Bremern gesprochen, die Frau kommt aus Oldenburg. Leichte Bewölkung. Bis Panes fahren wir am Fluss entlang und es geht bergab. Auf der anderen Flussseite verläuft ein Flusspfad. In Panes steht auf der Kirche eine kitschige Jesusfigur. Einkaufen und Sino verliebt sich in ein Dreirad. Auf ansteigender und schlechter N-621 kommen wir bis zweieinhalb Kilometer vor Unquera. Die Autofahrer sind zum Teil nur blöd. Alter Bauer bietet uns seine Wiese an. Er ist sehr nett und will wissen wie es mit Deutschland und den Russen steht. Mit Kuhtrinkwasser waschen wir uns, sehr erfrischend.

1.8. Mittwoch
Wir schlafen bis 10 Uhr. Es ist sonnig. Elke ist ganz schlapp und müde. Mittags machen wir im Dorf kurz vor Unquera eine Kaffeepause. Ein netter Ort. Es gibt viele Pferdewagen. Der alte Bauer vom Vortag brachte auch mit einem Pferdewagen Wasser zu seinen Kühen. In Unquera ist Markt. Bis zum Playa Franca sind es noch acht Kilometer. Elke ist sehr gereizt. Ich dann auch. Playa Franca ist ein sehr schöner Strand. Sino kann in dem flachen und warmen Wasser prima baden. Nach Schwierigkeiten Campingplatz für 900 Pesetas gefunden. Abends in einer Felsspalte am Strand eine alte Möwe beobachtet. Danach in Bar.

2. August Donnerstag
Früh allein nach Unquera zum einkaufen und zur Touristeninformation. Zurück über Colombres, ein schöner, hochgelegener Ort. Der Camping ist ohne Wasser, oder das Wasser ist dreckig. Eine verrottete Anlage. Das Wetter ist bedeckt, auch nebelig. Am Strand sind wenig Menschen. Die Camper sind aufgeregt wegen des Wasser aber nicht sehr streitbar. Früh schlafen gegangen.

3. August Freitag
Wir bauen schnell das Zelt ab und streiten noch mit dem Campingchef. Statt 1800 Pesetas bezahlen wir 1500 Pesetas. Engländer hatten 50 Prozent abgezogen. Angeblich gibt es kein Reklamationsbuch. In Colombres kaufen wir ein und telefonieren vom Café aus mit Oldenburg. Wir gucken den Ort an. das Indianerarchiv und das Eisenbahnmuseum sind geschlossen. Wir fahren zum Camping Arenas, vier Kilometer hinter Unquera. Eine niederländische Familie mit fünf Personen ist ebenfalls mit dem Rad unterwegs. Abends näher kennen gelernt .

4. August Samstag
Es ist sonnig, heiß und etwas drückend. Wir sind am Strand. Bei Flut ein schmaler Kiesstrand, ansonsten ein angenehmer Sandstrand. Das Wasser ist mit vielen Grünalgen gemischt. Der Campingplatz ist überfüllt. Wir finden neben einem Trampelpfad einen Platz. Sino will immer Motorrad mit Kickstarter spielen, oder auf dem Pferd vor der Bar reiten. Elke ist etwas kompliziert, sie hat nach einem zeitaufwendigen Versuch mit Kreuztal telefoniert und ihrer Mutter geht es nicht gut.

5. August Sonntag
Mit dem Zelt ziehen wir eine Etage tiefer. Dabei zerbrechen zwei Zeltstangen. Wir sind am Strand, sind schlapp und es ist zu heiß. Abends gehen wir einen schönen Wiesenweg nach Pechon. Im Dunklen sind wir zurück. Wir haben erfahren, das ab 21.August Wolfgangs Wohnungsschlüssel bei der Post in San Vicente hinterlegt ist.

6. August Montag
Seit Sonntagabend ist Jon aus Navarra, 21 Monate alt unser Nachbar. Nachts war Elke schlecht. Sie ist krank und hat Fieber. Mit Sino geh ich allein zum Strand. Wir sehen uns eine sehr schöne Felsgrotte und Muscheln an. Es regnet, der Weg zum Klo ist zu weit.

7. August Dienstag
Es hat aufgeklart. Wolken, frische Luft und schöne Wellen sind angenehm. Elke geht’s besser. Wir haben beide etwas Magenprobleme nach dem Essen. Abends sehen wir einen schönen Sonnenuntergang. Der Wind kommt aus Nordost.

8. August Mittwoch
Sonniges Wetter. Wäsche waschen und zum Strand. Die Wellen sind langweilig. Wir sehen uns eine Grotte an. Spaghetti, Wurst und Tomaten sind ein zu schweres Essen für uns. Sino hat etwas dünnere Kacke. Nachts weht ein kalter starker Südwind.

9. August Donnerstag
Es ist sonnig. Gegen Mittag fahren wir nach San Vicente. Sino will zuerst nicht in den Bugger. Die Batterien von meiner Taschenlampe haben sich festgesaugt. Nach viel Geklopfe sind sie draußen und die Ersatzbirne ist kaputt. Das Gehäuse ist außerdem gestaucht. In San Vicente erhält Elke auf Scheck 25000 Pesetas .

10. August Freitag
Mit dem Rad fahren wir nach Pechon. einem gut erhaltenem Dorf. Von dort zum Strand. Zunächst ist es sonnig, später bewölkt mit Gewittergrollen. Sino wälzt sich mit Hingabe in einer Strandpfütze. Abends gibt es ein Gewitter mit Regen. Sino wird vom Gewittergrollen erschreckt.

11. August Samstag
Festwochenende in Pechon mit Dauerlauf. Das Meer ist sehr stürmisch mit hohen Wellen. Man sieht wie sich täglich der Strand verändert. Mal mehr Sand oder Kies.

12. August Sonntag
In Pechon sehen wir einen Prozessionsumzug mit Dudelsackgruppe. Es ist bewölkt und kalt. Elke telefoniert mit Kreuztal, ihrer Mutter geht es wieder besser.

13. August Montag
Es ist kalt und wir sind am Strand. Neue Zeltnachbarn, die den Autostellplatz von Jon's Eltern zustellen. Deshalb gibt es Abends einen lautstarken spanischen Streit. Sino hat Temperatur, Nachts ist er ganz heiß.

14. August Dienstag
Sino hat Vormittags 38.8° Celsius Temperatur. Er ist den ganzen Tag schlapp und will nur getragen werden. Ich habe gegen Abend Halskratzen. Mit Oldenburg telefoniert und für Angelika unsere Wunschliste durchgegeben. Sino ist in der Nacht noch mal ganz heiß.

15. August Mittwoch
Vormittags fahren wir nach Unquera zum Markt. Wir sehen bunte Küken und kaufen eine Musikkassette . In einer Art Kaufhaus kaufen wir noch eine Karte von den Picos de Europa. Der Rio Deva sieht sehr dreckig aus. Das Gemüse ist ganz billig, dafür bezahlen wir viele P für Kaffee und Bier. Am Strand spielt Sino im Sand und später mit den anderen Kindern im VW-Bus von Jon's Eltern. Sino hat kein Fieber mehr.

16. August Donnerstag
Die nette Familie von Jon reist ab. Das Wetter ist schlecht und ich fahre allein nach San Vicente. Hole dort 30000 Pesetas vom Geldautomaten. Es regnet und meine Nase ist verschnupft. Wir sind am Strand.

17. August Freitag
Elke telefoniert mit Doris. Ich habe Husten und Schnupfen. Sino hatte in der letzten Nacht noch Fieber. Wir sind am Strand und ich bekomme von Süddeutschen Medizin gegen meine Erkältung. Auf dem Camping ist trotz Wochenende weniger los als in den vergangenen Wochen.

18. August Samstag
Wir treffen ein Paar Radfahrer aus Reutlingen. Das Wetter ist wieder sonnig. Trotzdem kühler wie in der ersten Augusthälfte. Wegen meiner Erkältung machen wir die Radtour nach San Vicente nicht.

19. August Sonntag
Wir sind am Strand und gehen abends und morgens mit Sino über das Campingplatzgelände. Es ist sonnig.

20. August Montag
Der Himmel ist bedeckt. Zum Teil mit Regen. Für 17 Tage Camping bezahlen wir 14500 Pesetas. Im gemütlichen Tempo fahren wir zum Leuchtturm kurz vor San Vicente. Über Wiesen machen wir einen schönen Spaziergang ans Meer. Wir zelten mit Blick auf das Leuchtfeuer auf einer Wiese. Es weht ein angenehm frischer Wind vom Meer.

21. August Dienstag
Ohne Frühstück fahren wir zur Post und holen den Schlüssel für Wolfgangs Wohnung ab. Einkaufen und die Räder hinter dem Haus verstauen. Elke putzt die Wohnung und ich lese. Wir sehen uns den Hafen an. Der Himmel ist bewölkt, aber es ist trocken. Ich kaufe eine Gasflasche für 750 Pesetas.

22. August Mittwoch
Gemeinsam besuchen wir den Fischereihafen. Sino bekommt für 1500 Pesetas weiße Leinenschuhe und einen Fotoklick. Wäsche waschen, die Waschmaschine funktioniert nicht.

23. August Donnerstag
Es ist sonnig und wir gehen zum Strand. Das Wasser hat bei Ebbe gefährliche Strömungen. Ansonsten ist das Gelände für Sino gut zum spielen geeignet. Nachmittags gehe ich mit Sino allein zum Hafen.

24. August Freitag
Wir spazieren durch den Ort. Das Wetter ist bewölkt, gewittrig und regnerisch. Elke holt vom Automaten 30000 Pesetas ab. Abends telefonieren wir mit Oldenburg. Dort ist alles in Ordnung und Sino ist von der netten Telefonistin ganz begeistert. Für 500 Pesetas lasse ich mir die Haare schneiden.

25. 8 Samstag
Um neun werden wir von Angelika und Jerry geweckt. Wir frühstücken gemeinsam, kaufen ein und räumen